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„Gott sei Dank haben wir das schon“

Kirche OÖ

Seelsorgeteams mit Ehrenamtlichen sollen zukünftig das Rückgrat in allen Pfarren Oberösterrreichs bilden. Im Dekanat Perg hat man mit dieser Form der Pfarrleitung gute Erfahrungen gemacht. Ein Interview mit Dechant Konrad Hörmanseder und den Seelsorgeteammitarbeiterinnen Claudia Hani und Margit Neuhauser.   

Ausgabe: 18/2019
16.04.2019
- Interview: Paul Stütz
Geballte Seelsorgeteamkompetenz. Dechant Konrad Hörmanseder, Seelsorgeteammitglieder Margit Neuhauser und Claudia Hani.
Geballte Seelsorgeteamkompetenz. Dechant Konrad Hörmanseder, Seelsorgeteammitglieder Margit Neuhauser und Claudia Hani.
© KiZ

Pergkirchen war im Jahr 2000 die erste Pfarre in der Diözese, die offiziell ein Seelsorgeteam hatte. Was führte damals dazu?
Konrad Hörmanseder: Bis 2000 hatte Pergkirchen einen eigenen Pfarrer, danach gab es nur noch einen Wochenendpfarrer, der aus Linz angereist kam. Dann hat man schauen müssen, wie man Seelsorge so gestalten kann, dass die Pfarre lebendig bleibt. Es haben sich glücklicherweise Leute gefunden, die sich ehrenamtlich an der Leitung der Seelsorge in Pergkirchen beteiligen wollten. 


Frau Neuhauser, Frau Hani, Sie sind als Frauen in der Leitung in ihrer jeweiligen Pfarre engagiert. Wird das in einer ansonsten von Männer dominierten Kirche mittlerweile als normal wahrgenommen?
Margit Neuhauser: Ja, das ist normal. Sogar bei der älteren Generation.
Claudia Hani: Das hat sich in der katholischen Kirche so entwickelt. Zuerst wurden quasi die Lektoren verweiblicht, dann die Ministranten und jetzt eben die Pfarrleitung. 


Was braucht man, damit man im Seelsorgeteam gut arbeiten kann?
Neuhauser: Ausbildung, Teamfähigkeit, einen starken Glauben und Gottvertrauen, dass es hinhaut.
Hani: Ich glaube, man braucht Freude, dass man für den Ort und die Pfarre in einer guten Weise da ist. Ich möchte, dass es mit der Pfarre gut weitergeht. 
Hörmanseder: In Münzbach hat die Pfarre vor der Pensionierung ihres Pfarrers in die Wege geleitet, dass ein Seelsorgeteam aufgebaut wird. Wir sind alle kraft unserer Taufe und Firmung berufen, am Reich Gottes mitzuwirken. Wenn ich das Zeug und die Begabung habe, ist es schön, wenn das hier für die Seelsorge in der Pfarre eingesetzt wird.
Neuhauser: Wichtig ist die Akzeptanz seitens der Leute. Dass den Seelsorgeteams in Zukunft in Oberösterreich mehr Bedeutung zukommen soll, ist positiv für uns in Münzbach. Viele Leute sagen: „Gott sei Dank haben wir das schon bei uns.“ 

 

Wie sehen Sie das selbst, dass die Diözese Linz flächendeckend Seelsorgeteams zum Einsatz bringen will? Freut Sie Ihre Vorreiterrolle?
Neuhauser: Die Kirche weit zu denken hat man bei uns im Dekanat Perg schon bald angefangen. Es ist total wichtig, dass vor Ort wer da ist, wenn es keinen Pfarrer mehr gibt.


Es gibt auch Bedenken, dass den Ehrenamtlichen bei den Seelsorgeteams zu viel aufgebürdet wird.
Hörmanseder: Aufpassen muss man schon, dass die Ehrenamtlichen nicht zu viel Aufgaben bekommen. Wenn sie nur Handlanger des Pfarrers sind, wird es nicht funktionieren. Wenn sie aber ihre Spiritualität, ihre Freude und ihre Begabung einbringen können, dann ist es leichter. Das müssen die Ehrenamtlichen spüren. Zentral ist außerdem die professionelle Begleitung der Seelsorgeteams durch Hauptamtliche. Man kann das was Hauptamtliche leisten nicht hoch genug schätzen.
Hani: Man darf sich die Latte in den Seelsorgeteams nicht zu hoch legen. Man kann nicht alles abdecken. 
Hörmanseder: Es muss nicht alles in jeder Pfarre angeboten werden. Ein Beispiel: Es hat nicht überall eine Firmvorbereitung vor Ort zu geben, man kann auch miteinander etwas machen. 

 

Die Diözese plant, ausgehend von den bisherigen 39 Dekanaten, rund 35 Pfarren zu bilden, von denen jede durchschnittlich aus 14 Pfarr-Gemeinden besteht. Was heißt das für das Dekanat Perg? Was wird sich hier von der Struktur her wahrscheinlich verändern?
Hörmanseder: Laut dem neuen Modell der Diözese sollen Ried in der Riedmark und St. Georgen an der Gusen zur Pfarre Perg (Anmerkung: jetzt Dekanat Perg) dazukommen. Das macht insgesamt 34.000 Katholiken. Wie wir das gestalten, wie die Pfarre heißen und wer sie leiten wird, ist noch offen. 

 

Wo sehen Sie Herausforderungen beim Zukunftsprozess der Diözese?
Hörmanseder: Beim Personal. Laut Reformplan der Diözese sollen künftig erst ab einer Größe von 1.600 Katholiken Hauptamtliche zur Leitung einer Pfarrgemeinde zur Verfügung stehen. Im Osten des Dekanates haben wir kleine Pfarrgemeinden wie Arbing und Baumgartenberg mit 1.200 bzw. 1.300 Katholiken, die davon betroffen wären. Man muss aufpassen, dass man die kleineren Pfarrgemeinden nicht aushungern lässt und alles nur auf Ehrenamtliche abgewälzt. 
Hani: Man darf nicht vergessen, dass gerade durch die kleinen Pfarren die Nähe der Kirche zu den Menschen gegeben ist. Die Menschen sind nur schwer oder nicht zu motivieren in andere Gemeinden zu fahren. Wir würden viele verlieren, wenn wir die kleinen Pfarrgemeinden nicht erhielten. 

 

Abseits vom Personal, wo liegen die anderen Herausforderungen?
Hörmanseder: Natürlich auch bei den finanziellen Mitteln. Es stellen sich die Fragen: Wie kann ich renovieren, wie kann ich die Gebäude erhalten? 
Neuhauser: Im Grunde genommen sind wir unter anderem viel mit der Organisation beschäftigt, dass wir genug Geld für die Pfarre haben. Unser oberstes Anliegen als Pfarrleitung ist aber immer noch die Motivation der Menschen zur ehrenamtlichen Mitarbeit sowie die aktive Beteiligung am Pfarrleben.
Hörmanseder: Eine größere Pfarre tut sich leichter, weil sie von der Diözese mehr vom Kirchenbeitrag zurückbekommt. Die kleinen Gemeinden müssen aber genauso heizen, das Licht aufdrehen usw. 

 

Der Priestermangel wird sich verschärfen. Genügt die geplante diözesane Reform oder muss man sich nicht doch auch noch etwas anderes einfallen lassen?
Hörmanseder: Ich glaube, es ist ein erster Schritt, wir müssen aber sicher noch weiterdenken und weiterschauen. Ich glaube übrigens nicht, dass es eine Lösung ist, vermehrt Priester aus anderen Ländern zu holen. Die leben ihre Berufung, bemühen sich, das ist keine Frage. Doch die Kirche wird immer von Traditionen vor Ort leben.

 

Werden Sie die Zulassungsbedingungen für Priester bei der Visitation thematisieren, Herr Pfarrer?
Hörmanseder: Ich könnte die Weihe für Frauen zu Diakoninnen und Priesterinnen als Thema bei der Visitation einbringen, aber das halte ich nicht für zielführend. Man muss das Augenmerk auf anderes richten: Es geht darum, wie man Menschen unter den gegebenen Rahmenbedingungen in den Pfarren mit Seelsorge beauftragen kann. 

 

Zu den Personen 
Konrad Hörmanseder ist Dechant des Dekanates Perg, Pfarrer in Perg, Pfarrprovisor in Pergkirchen, Allerheiligen und Münzbach. In Pergkirchen ist er der Begleiter des Seelsorgeteams.
Claudia Hani ist Mitglied des Seelsorgeteams in Pergkirchen, zuständig für Verkündigung. Margit Neuhauser ist Mitglied des Seelsorgeteams in Münzbach für die Säule „Liturgie“.

 

Der diözesane Zukunftsweg  

Statt Dekanaten wird es Großpfarren geben. 
Ab 2020 soll es in der bisher in 487 Pfarren unterteilten Diözese nur noch 35 Pfarren geben. Aus den derzeitigen Pfarren werden Pfarr-Gemeinden, die in ihrer Eigenständigkeit erhalten bleiben. 
Eine künftige Pfarre wird aus durchschnittlich 14 Pfarr-Gemeinden bestehen. So wird es wahrscheinlich auch in Perg sein: Die zwölf Pfarren des Dekanates werden zu einer großen Pfarre, der außerdem noch St. Georgen an der Gusen und Ried in der Reiedmark zugeteilt werden. Die derzeit 39 Dekanate in Oberösterreich werden in der neuen Struktur abgeschafft. Die Leitung der „Pfarre neu“ soll künftig ein Dreiervorstand übernehmen: der Pfarrer, ein Pastoralrat für den Bereich „Seelsorge“ und ein pfarrlicher Wirtschaftsrat. Die Pfarrgemeinde soll von einem Seelsorgeteam geleitet werden, das von der Pfarrgemeinde vorgeschlagen wird. Ab einer Größe von 1.600 Katholikinnen und Katholiken können auch hauptamtliche Seelsorger/innen Leitungsfunktionen übernehmen. Für kleine Pfarren ist eine hauptamtliche Person im Ausmaß einer Viertelanstellung vorgesehen. 

 

 

 

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