Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
Im Jahr 1894 wurde am Gericht Pregarten über einen besonderen Gegenstand verhandelt: den neuen Altaraufbau in der Wartberger Kirche, gestaltet vom Ottensheimer Künstler Josef Kepplinger. Der Altar habe keine künstlerische Qualität, sei bloß eine Kopie und überhaupt zu teuer, so lautete der Vorwurf. Von „Sauarbeit“ war die Rede und von einem „Lehrbubenstück“. Nach der Zusammenkunft vor Gericht zog eine Kommission von Pregarten hinauf auf den Wartberg, um den Stein des Anstoßes in Augenschein zu nehmen.
Die vom Hochaltar und seinen turbulenten Anfängen ist eine von knapp 20 Geschichten, die der Pfarrassistent und Autor Franz Küllinger für ein neues Kirchenbuch geschrieben hat. Der herkömmliche Kirchenführer mit Daten und Fakten war ausverkauft. Franz Küllinger wollte die Kirchengeschichte vom Mittelalter bis in die Gegenwart lebendiger machen und „mit Geschichten Geschichte erzählen“. Entstanden ist ein handliches Buch mit spannenden, unterhaltsamen und spirituellen Texten. Die Leserinnen und Leser erfahren, warum bewaffnete Männer eines Nachts die Kirche stürmten, auf welch kuriose Weise die Orgel eingeweiht wurde und warum der neue Versöhnungsort manche an eine Dusche erinnert. Der Hochaltar und dessen Künstler wurden übrigens schnell von allen Vorwürfen freigesprochen. Das gelungene Werk sei eine Zierde für die Kirche, urteilte die Kommission, und der Preis von 4.630 Gulden (rund 90.000 Euro) sei gerechtfertigt. So ist der Altar wahrscheinlich einer der wenigen mit einem gerichtlichen Qualitätsattest.

Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
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