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„ChristInnen haben den Auftrag, Leid zu verhindern, zu lindern und zu mindern“

Kirche OÖ

Der Karfreitag lenkt den Blick auf den leidenden Jesus am Kreuz – und damit auf das Leid von Menschen heute. Dieses Leid gelte es wahrzunehmen, betonte Bischof Manfred Scheuer beim Karfreitagsgottesdienst, der am 10. April um 15 Uhr aus der Linzer Priesterseminarkirche übertragen wurde. „Kein Mensch kann sich der Solidarität mit den Leidenden verweigern“, so der Diözesanbischof.

10.04.2020
- Diözese Linz
© Diözese Linz / Valant

Die Feier der drei österlichen Tage bildet den Höhepunkt des Kirchenjahres.

 

Das Kreuz als großes „UND“

Der Karfreitag („kara“ bedeutet Klage) ist der Gedenktag an den Tod Jesu. Jesu Leben endete auf die schändlichste Weise, die die Antike kannte: die Kreuzigung, die ausschließlich Verbrechern vorbehalten war. Er wurde von der römischen Besatzungsmacht als gefährlicher Aufrührer zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Zur Todesstunde Jesu, um 15 Uhr, feierte Bischof Manfred Scheuer unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Karfreitagsliturgie. Mitfeiernde waren Diakon Anton Birngruber, Lektorin Cosima Spieß, Kantorin Schwester Maria Regina Scherrer und Kantor Josef Habringer. Glocken und Orgel schweigen an diesem Tag. Nach dem stillen Einzug legte sich Bischof Scheuer als Zeichen der Trauer vor dem Altar ausgestreckt auf den Boden. Danach wandte er sich an die Kinder unter den ZuseherInnen und zeigte vor, wie der Mensch mit seinem Körper ein Kreuz bilden kann: Der Kopf weist nach oben, zu Gott hin, die ausgebreiteten Arme strecken sich den anderen Menschen entgegen. „Das Kreuz ist ein großes ‚UND‘: Gott und Mensch, ich und du, im Sinne der innigen Verbindung, der Zusammengehörigkeit. Das Kreuz steht für Jesus. Es steht für alles, was er durchgemacht hat, was er erlitten hat bis zum Tod. Es steht dafür, dass Gott alles Schwere, alle Not kennt und auch weiß, wo wir es schwer haben. Er kann sich einfühlen in die Kranken, in die Kinder. Jesus breitet am Kreuz die Arme aus und umarmt uns.“

 

„Kein Mensch kann sich der Solidarität mit den Leidenden verweigern“

Zum Evangelium wurde die Leidensgeschichte Jesu aus dem Johannesevangelium mit verteilten Sprecherrollen gelesen. In seiner Predigt betonte Bischof Scheuer, der Karfreitag lenke den Blick auf den leidenden Jesus, aber auch auf die Gesichter von gezeichneten Menschen, auf die Gesichter von Kindern, die schon von klein auf geschlagen worden seien, auf die Gesichter von Jugendlichen, die keinen Platz in der Gesellschaft fänden und frustriert seien, auf die Gesichter von leiblich und psychisch Kranken, auf die Gesichter von Sterbenden, von Flüchtlingen. „Es gilt einmal wahrzunehmen, nicht wegzuschauen, nicht vergesslich zu werden. Und es gilt, hinter dem Schmutz und dem Schmerz die Würde, die Kostbarkeit und auch die innere Schönheit dieser Menschen zu sehen“, hob Scheuer hervor.

Der Bischof nahm in seinen Worten auch auf die gegenwärtige Coronakrise Bezug und mahnte zu verantwortungsvollem Handeln: Solange es keine wirksamen Medikamente und Impfstoffe gebe, müsse das Zusammenleben so gestaltet werden, dass das Virus möglichst nicht übertragen werde. Scheuer: „Das ist unsere Verantwortung und die gegenwärtig geforderte Form von Nächsten- und Selbstliebe. Vernunft und Glaube, Wissenschaft und Vertrauen sind da kein Gegensatz, sondern können durchaus zusammenspielen.“

ChristInnen würden nicht das Leid und das Kreuz an sich anbeten, stellte der Bischof klar. „Wir schauen auf Christus. Wir brauchen nicht eigenmächtig um eines asketischen Ideals willen Leiden und Kreuz suchen und von uns her ergreifen. Aber kein Mensch kann völlig achtlos an der Leidensteilnahme vorübergehen und sich der Solidarität mit den Leidenden verweigern.“ Von Jesus her sei es ChristInnen aufgetragen, Leid zu verhindern, zu lindern und zu mindern. Bischof Scheuer: „Widerstand ist dort notwendig, wo es gilt, vermeidbares Leiden abzuschaffen; Ergebung und Annahme dort, wo Leid nicht überwunden, sondern nur ertragen und im Licht der Auferstehung Christi in Hoffnung verwandelt werden kann.“

 

Besondere Fürbitte zur Corona-Situation

Nach der Passion folgte der zentrale Teil der Karfreitagsliturgie: die Kreuzverehrung. Auf dem Hochaltar in der Linzer Priesterseminarkirche von Martino Altomonte ist Christus dargestellt, der am Kreuz erhöht über der Erde hängt. Bischof Scheuer und die anderen Mitfeiernden brachten durch eine Kniebeuge ihre Verehrung zum Ausdruck. In den anschließenden ausführlichen Fürbitten (sogenannte „Große Fürbitten“) wurden die Anliegen der Kirche, der Welt und des persönlichen Lebens vor Gott gebracht. Aufgrund der weltweiten Covid-19-Pandemie hat die österreichische Bischofskonferenz für den Karfreitag 2020 eine besondere Fürbitte veröffentlicht, die im Gottesdienst vorgebracht wurde:

Lasst uns auch beten für alle Menschen,

die in diesen Wochen schwer erkrankt sind;

für alle, die in Angst leben und füreinander Sorge tragen;

für alle, die sich in Medizin und in Pflege um kranke Menschen kümmern;

für die Forschenden, die nach Schutz und Heilmitteln suchen,

und für alle, die Entscheidungen treffen müssen

und im Einsatz sind für die Gesellschaft,

aber auch für die vielen, die der Tod aus dem Leben gerissen hat.

Gebetet wurde auch explizit für Flüchtlinge, Vertriebene und Ausgestoßene mit der abschließenden Bitte: „Gib uns ein Herz für alle Notleidenden.“

 

 

Weitere Übertragungstermine der Gottesdienste mit Bischof Scheuer:

  • Karsamstag/Osternacht | 11. April: 20.00 Uhr
  • Ostersonntag, 12. April | 10.00 Uhr
  • Ostermontag, 13. April | 10.00 Uhr

LT1 ist via Satellit, Kabel, A1 TV, DVB-T und online unter www.lt1.at zu empfangen. Via Satellit (ASTRA 19,2°) ist LT1 nur mittels HD-Receiver in Kombination mit einem HD-fähigen TV-Gerät empfangbar. Details zum Empfang gibt es auf www.lt1.at

 

Zu den TV-Gottesdiensten wurden Feierhefte erstellt, die als Download verfügbar sind.

www.dioezese-linz.at/ostern2020/hauskirche

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