Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
Auch wenn angekündigt war, dass es keine inhaltlichen Statements zum Visitationsbericht geben werde, war die Pressekonferenz von Lackner und seinem Visitationsteam vergangenen Freitag rege besucht. Ein Grund dürfte in der öffentlich gemachten Kritik des Gurker Domkapitels an der Visitation liegen: Erst hatte man dem Domkapitel eine 2,5 Stunden dauernde Einsichtnahme in den 50-Seiten-Bericht gewähren wollen, später die Zeitvorgabe aufgehoben. Ort der Einsichtnahme wäre Salzburg gewesen. Das Domkapitel akzeptierte das nicht und verzichtete auf die Einsichtnahme. Das Visitationsteam beruft sich beim Vorgehen auf Rom.
Dass sich die Wogen, die nach dem Abgang von Bischof Alois Schwarz von Klagenfurt nach St. Pölten öffentlich geworden waren, während der Visitation glätten würden, blieb ein Wunsch. „Die Diözese Gurk-Klagenfurt befindet sich, was das Vertrauen betrifft, in einem Ausnahmezustand“, sagte Visitator Lackner. Bischof Benno Elbs, der Lackner unterstützte, sagte, das ehrliche und offene Gespräch „ist derzeit noch nicht möglich“.
Obwohl bei der Pressekonferenz keine inhaltlichen Details vorgebracht wurden, machte der Prüfer der Wirtschaftsangelegenheiten, der Grazer Caritasdirektor Herbert Beiglböck, deutlich, was die Visitation hier festgestellt hat: Diözesanvermögen und Kirchenbeitragswesen seien nicht von Problemen betroffen. Für das davon zu unterscheidende bischöfliche Mensalgut habe sich keine „Bestandsgefährdung“ ergeben. Bestätigt hätten sich dort aber häufige Geschäftsführerwechsel, schlechtes Betriebsklima, Unordnung, fehlende Strategie und Mängel bei der Einhaltung von Rechtsvorschriften. Bekannt ist, dass es zwei Selbstanzeigen in Steuersachen gab und dass das Verhalten von Bischof Schwarz weiterhin Gegenstand eines strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens ist, wie die Staatsanwaltschaft Graz am Montag bestätigte. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Visitator Lackner konnte sich auf Nachfrage vorstellen, dass sein Bericht zusammengefasst nach Abschluss des Verfahrens in Rom veröffentlicht wird. Nach personellen Konsequenzen gefragt, sagte Lackner: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es zu keinen Konsequenzen kommen wird.“ Wen das trifft, blieb offen.

Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
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