Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
Bundeskanzler Sebastian Kurz plant für Anfang Dezember einen Afrika-Gipfel in Wien. Hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft sowie Ruandas Präsident Paul Kagame werden daran teilnehmen. Unter dem Motto „Hilfe vor Ort“ soll eine zeitgemäße, faire und nachhaltige Strategie der Europäischen Union (EU) für Afrika entwickelt werden, so der Bundeskanzler.
Afrika war eines der Hauptthemen der Dechantenkonferenz am 19. und 20. September im Bildungshaus Schloss Puchberg. Die Diözese Linz ist durch ihre Entwicklungszusammenarbeits-Organisationen, aber auch durch den Einsatz von Missionarinnen und Missionaren mit Afrika seit Langem verbunden. Erst im Sommer hat Diözesanbischof Manfred Scheuer mit einer Delegation Partnerdiözesen in Nigeria besucht. Daniela Pamminger, Leiterin der Auslandshilfe der Caritas Oberösterreich, gab einen umfassenden Einblick in die Lebensverhältnisse der 51 Staaten südlich der Sahara. Der weitaus größte Teil der Migrationsbewegungen spielt sich in den Ländern oder in der Region selbst ab. Nur ein Prozent derer, die eigentlich wegwollen, gehen wirklich, so Pamminger. Die meisten Leute seien schlicht zu arm, um Schlepper bezahlen zu können. Wo es gelingt, die Korruption hintanzuhalten, gebe es auch erstaunliche Entwicklungen, wie etwa in Botswana oder in Ruanda. Freilich wären diese Länder nicht mit westlichen Vorstellungen von Demokratie in Einklang zu bringen.
Um die Notwendigkeit eines deutlich stärkeren Engagements in Afrika zu betonen, wandte sich die Dechantenkonferenz am 24. September in einem offenen Brief an Bundeskanzler Kurz (siehe Randspalte). Darin verweist sie auch auf die Arbeit von kirchlichen Einrichtungen wie der Caritas. Gerade Nicht-Regierungs-Organisationen seien aber zunehmend pauschalen Angriffen ausgesetzt, wie es sie bisher noch nicht gegeben habe, sagte Caritas OÖ-Direktor Franz Kehrer bei der Dechantenkonferenz. Dass etwa der italienische Innenminister vorschlägt, Rettungsschiffe (die auch von Nordafrika ablegen) für die Registrierung von Flüchtlingen zu verwenden, um sie so von der Rettung von Flüchtlingen abzuhalten, mache ihn sehr betroffen. Das führe ihn zu der Frage: Wie darf über Soziales in unserer Gesellschaft gesprochen werden? «
Zur Sache
Die Vertreter der Dechantenkonferenz wandten sich in einem offenen Brief an Bundeskanzler Sebastian Kurz. Sie begrüßen seine Initiative, den Dialog Europas mit Afrika zu intensivieren, und verweisen auf den seit Jahrzehnten bestehenden Austausch zwischen Oberösterreich und Afrika durch Einzelpersonen und kirchliche Einrichtungen. „Aus diesen Erfahrungen heraus wissen wir, dass es dringend ist, dass Europa sein Engagement auf wirtschaftlicher Ebene als auch im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit massiv erhöht.“ Afrika müsse als Partner auf Augenhöhe wahrgenommen werden. Im Bereich der Wirtschaftspolitik seien die europäischen Wirtschaftsabkommen („Economic Partnership Agreements“, EPA) gerechter zu gestalten, um den afrikanischen Ländern mehr wirtschaftliche Möglichkeiten in Europa zu bieten. Der Ertrag der Rohstoffe solle einer breiteren Bevölkerungsschicht zukommen, die Weiterverarbeitung vor Ort stattfinden. Der Ausbau im Bildungsbereich sowie im Gesundheits- und Sozialsystem und der Austausch von Professorinnen und Professoren sowie von Studierenden würden die wirtschaftliche Entwicklung stärken. „Um den Sorgen bezüglich der Migration aus Afrika entgegenzuwirken, bedarf es großer Anstrengungen im Bereich der Klimapolitik, vor allem im globalen Norden“, so die Dechantenkonferenz.
„Entwicklungszusammenarbeit kann eine faire Wirtschaftspolitik nicht ersetzen.“ Sie bleibe aber angesichts der konkreten Situation in Afrika unverzichtbar. „Die Selbstverpflichtung Österreichs in diesem Bereich wird leider seit Jahren nicht erfüllt.“
Offener Brief an Bundeskanzler Kurz

Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
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