Für manche Schülerinnen und Schüler ist der Zeugnistag der Startschuss für noch intensiveres Lernen: Die afghanischen Jugendlichen, die fast ein halbes Jahr am Gymnasium Dachsberg unterrichtet wurden, verbessern derzeit ihre Deutschkenntnisse in einem Sprachcamp.
Ausgabe: 2013/29, Asyl, Afghanistan, Sommercamp
16.07.2013
- Dagmar Giglleitner
Seit Jänner 2013 hatten 32 asylsuchende Jugendliche aus Afghanistan die Möglichkeit, im Rahmen eines einzigartigen Projektes am Gymnasium Dachsberg Unterricht zu bekommen. Die Idee entstand, als Dir. P. Ferdinand Karer bemerkte, dass die nicht mehr schulpflichtigen jungen Burschen keine Aufgabe hatten und den ganzen Tag nur „rumhängen“ konnten. „Es war sehr langweilig, immer zu Hause zu sein“, bringt Arif Mohammadi (16) die damalige Situation auf den Punkt.
Bilanz nach einem halben Jahr
Rückblickend überwiegen die positiven Aspekte: „Durch das ungeheure Engagement ist die Lehrerschaft enger zusammengewachsen. Und wir konnten dieses Wort ‚Integration‘ plötzlich hautnah erleben – mit allen Herausforderungen und Ängsten, die es gab. Das hat unsere Schule verändert, weil sie in ihrem Auftrag, Menschen ganzheitlich zu bilden, viel greifbarer wurde“, resümiert P. Karer.
Freiwilliges Lernen
Während des Schuljahres wurden die afghanischen Schüler von über 40 Lehrer/innen aus Dachsberg und Umgebung ehrenamtlich unterrichtet. Im Sprachcamp, das in den ersten drei Ferienwochen am Gymnasium stattfindet, übernehmen diese Aufgabe sechs Dachsberger Ehemalige, die Lehramt studieren und so auch Praxiserfahrungen sammeln. Ein auffallender Unterschied zum „normalen“ Unterricht sei die freundliche Atmosphäre zwischen Lehrer/innen und Schülern: „Die Jugendlichen kommen her, weil sie wollen und nicht, weil sie müssen. Dadurch kann ein viel größerer persönlicher Bezug entstehen. Sie haben uns sogar schon gebeten, weniger Freizeit und mehr Unterricht anzubieten!“, erzählen Barbara Gruber (24) und Anna Wiesinger (21). Fasziniert sind die beiden von der Dankbarkeit und Ehrlichkeit, die ihnen die Afghanen entgegenbringen. Das wird im Gespräch mit Arif Mohammadi spürbar, der bei der Frage, wie es ihm in Dachsberg gefalle, zu strahlen beginnt und immer wieder betont, wie nett die Lehrenden seien und wie viel er bereits gelernt habe.
Blick in die Zukunft
Eine Gruppe der afghanischen Jugendlichen darf im nächsten Schuljahr weiterhin das Gymnasium besuchen. Dennoch ist die Zukunft sehr ungewiss: Asyl werden nur wenige bekommen; manche erhalten vielleicht subsidiären Schutz. Man kann davon ausgehen, dass längerfristig nur die Hälfte der 32 jungen Afghanen in Österreich bleiben kann. „Die Situation ist für alle Beteiligten zermürbend und die Stimmung oft betrübt“, berichtet P. Karer. Ans Aufgeben denkt er trotzdem nicht: „Für mich geht es nicht darum, ein schnelles Projekt im Sinne eines ‚Charity-Golfturniers‘ zu machen und dann wieder in den Alltag zurückzukehren, als ob nichts gewesen wäre. Wie wir mit Grenzen umgehen, ist die große Frage der Zukunft. Dazu braucht es große Offenheit und Menschen, die quer- und weiterdenken. Das ist letztlich der Sinn von Bildung.“