Mächtig und imposant, meist umgeben von gepflegten Gartenanlagen strahlen sie schon von außen eine starke Präsenz aus. Spätestens beim Betreten einer englischen Kathedrale wird man von der unermesslichen Weite, den klaren Linien und viel Ruhe in ihren Bann gezogen.
Ausgabe: 2013/31, Kathedrale, England, York Minster, Canterbury, Winchester
30.07.2013
- Brigitta Hasch
Eintritt zu bezahlen, und das meist nicht wenig, ist in Englands Kathedralen üblich. Dies ist verständlich, wird doch die Erhaltung dieser Bauwerke überwiegend durch Spenden und Einnahmen aus dem Tourismus finanziert. Dementsprechend tummeln sich ungewohnt viele, meist ehrenamtlich tätige Gemeindemitglieder leise und dennoch sehr geschäftig im Eingangsbereich herum. Sie bieten Führungen, Turmbesteigungen, gedrucktes Informationsmaterial oder verschiedenste Souvenirs an.
Doch zunächst sollte man einfach einmal Raum und Atmosphäre auf sich wirken lassen. Endlos scheinende Weiten und Höhen in den Kirchenräumen oder idyllische Kreuzgänge laden zum Entspannen und Besinnen ein. Ein Hauch ihrer langen Geschichte und Tradition tut sich in den Bibliotheken auf, die nicht ohne Stolz und „very british“ präsentiert werden.
Choral Evensong
Das Abendgebet ist liturgisch und musikalisch ein tief berührendes Erlebnis. Die Kirchengemeinde erscheint sehr zahlreich, Touristen sind hier nur ganz vereinzelt zu finden. Das Zeremoniell wirkt steif, die Personen bewegen sich wie von einer strengen Choreografie vorgegeben. Und der Chor, einheitlich gekleidet, singt alte Choräle. Unweigerlich taucht man ein in diese Welt und ist von ihr bewegt. Ein Gefühl und eine Atmosphäre, die man selbst erlebt haben sollte.
Wissenswert
- Staat und Kirche sind in England stark verflochten. Im Oberhaus des britischen Parlaments (House of Lords) haben 26 Bischöfe und Erzbischöfe der „Church of England“ einen festen Sitz.
- Es gibt zwei Kirchenprovinzen (Canterbury und York). Der Erzbischof von Canterbury steht der Kirche vor, der Erzbischof von York nimmt den zweiten Ehrenrang ein.
- England hat insgesamt über 40 Kathedralen.
- Frauen haben seit 1993 Zugang zum Priesteramt. Der Beschluss, Frauen zum Bischofsamt zuzulassen (2005), veranlasste einige Priester und Bischöfe, zum katholischen Glauben überzutreten.
- Obwohl die „Church of England“ Staatskirche ist, erhebt der Staat für sie keine Kirchensteuer. Sie finanziert sich überwiegend aus Spenden.
- Rund ein Viertel der Grund- und Mittelschulen sind in der Trägerschaft der Kirche.