Dieser Papst ist anders. Das bestätigte sich auch in seinem Umgang mit Journalist/innen. Sie durften ihn im TV-Sender „Globo“ und im Flugzeug fragen, was sie wollten. Und er antwortete frei „von der Leber weg“. Zu den rund um den Confed-Cup ausgebrochenen Protestaktionen meinte der Papst im „Globo“-Interview: Auch wenn er nicht alle Hintergründe kenne, habe er Verständnis dafür, denn „ich mag keinen Jugendlichen, der nicht protestiert“. Jugendliche lebten von Träumen und Utopien – und „Utopien sind nicht immer schlecht. Sie setzen Energien frei und lassen nach vorne schauen – eine Fähigkeit, die den Erwachsenen oft abgeht.“ Wie schon auf der Flüchtlingsinsel Lampedusa warnte Franziskus vor „einer Globalisierung der Gleichgültigkeit. Es gibt Jugendliche, die im Winter erfrieren – und das ist keine Nachricht wert. Doch wenn die Börsenkurse um drei, vier Punkte fallen, das schon.“ Die Politik betreibe eine „grausame Vergötterung des Geldes“ und missachte soziale Probleme wie etwa die hohe Jugendarbeitslosigkeit oder den Mangel an Bildungschancen.
Seine Botschaft
Zu seiner Botschaft an alle Menschen, unabhängig von ihrem Glauben, meinte der Papst: „Ich glaube, dass wir alle, die verschiedenen Religionen, nicht schlafen dürfen, solange es auch nur ein Kind gibt, das Hunger leidet oder keine Bildung bekommt; solange es Jugendliche und Alte gibt, die keine ärztliche Versorgung erhalten. Es macht keinen Sinn, zumindest für Christen, über Theologie zu sprechen, wenn wir nicht in der Lage sind, dem Nächsten zu helfen.“
Kirche
Zu Fragen der Kirchenentwicklung sagte Franziskus: „Wir müssen in der Umsetzung des II. Vatikanischen Konzils voranschreiten. Wir sind da erst auf halbem Weg.“ Zur Kurienreform teilte der Papst mit, dass die von ihm eingesetzte Kommission bereits zahlreiche Unterlagen erarbeitet habe. Er erwarte sich vom Treffen der Kommission Anfang Oktober einige Richtlinien. Bis zu einer endgültigen Reform der Kurie werde es aber noch weiterer Beratungen bedürfen. Auf die Frage, warum die Neuevangelikalen in Lateinamerika so viel Zulauf haben, meinte der Papst: „Die Kirche muss wie eine Mutter sein, die sich um die Menschen kümmert, sie umarmt, liebt.“ Er habe bisweilen einen „Mangel an dieser Nähe“ festgestellt, auch weil in manchen Gegenden keine Priester mehr seien. Ob er bei der Zulassung zum Priesteramt Änderungen plane, sagte der Papst nicht.
Wohnung
Gefragt, warum er weiter im Gästehaus Santa Marta wohne, meinte der Papst mit humorvollem Unterton: „Das hat psychiatrische Gründe. Ich kann nicht allein sein. Einsamkeit tut mir nicht gut. Ich bin dort, um unter Menschen zu sein. Bei den Mahlzeiten treffe ich jeden Tag verschiedene Leute, das gefällt mir.“ Außerdem spare er so Geld, das er sonst für Psychiater ausgeben müsste.
Heiße Eisen
Zum Thema Frauenpriestertum meinte der Papst mit Verweis auf Johannes Paul II.: „Diese Tür ist geschlossen.“ Gleichzeitig aber forderte er eine stärkere Beteiligung von Frauen in der katholischen Kirche. Frauen dürften nicht nur auf ihre Rolle als Mutter verkürzt werden. Und es gehe auch nicht nur darum, dass Frauen Caritas-Direktorinnen oder Katechetinnen würden: Man müsse weiter gehen und eine „profunde Theologie der Frau“ entwickeln. Die Frage nach der Öffnung des Diakonats für Frauen ließ der Papst unbeantwortet. Zu Medienberichten über homosexuelle Seilschaften im Vatikan meinte der Papst, er habe dafür keine Beweise. Und im Übrigen sei nicht die homosexuelle Veranlagung von Personen das Problem, sondern die Bildung von Seilschaften. Über einen Homosexuellen, der Gott suche und guten Willens sei, könne und wolle er nicht den Stab brechen. „Wer bin ich, ihn zu verurteilen.“ Zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen sagte der Papst: Diese Frage sei sehr komplex und nicht leicht zu lösen – „auch wenn ich deren Dringlichkeit erkenne.Es ist eine Zeit der Barmherzigkeit, eine Zeit des Epochewandels“, ließ der Papst aufhorchen.
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