Kirche soll Kompetenz für neue Riten bei Urnenbeisetzung nicht abgeben
Der Trend zur Feuerbestattung ist enorm, auch in Landgemeinden, sagt P. Ewald Volgger OT. Der Linzer Liturgiewissenschafter hat ein Symposium veranstaltet, das den Konsequenzen dieser Veränderung für die Begräbnisfeier nachging.
Ausgabe: 20/2017
16.05.2017
- Josef Wallner
Vor zehn Jahren wurden in Linz noch nicht einmal die Hälfte der Verstorbenen feuerbestattet, inzwischen sind es 75 Prozent. Der Jurist und Bestatter Martin Dobretsberger ist von der Geschwindkeit überrascht, mit der sich dieser Wandel in der Begräbniskultur vollzogen hat. Die Erdbestattungen werden nicht zum Verschwinden kommen, sich vermutlich bei etwa 15 bis 20 Prozent einpendeln. Konkret spricht Dobretsberger für die Landeshauptstadt. Feuerbestattung ist bislang ein Phänomen des urbanen Raums. Am Land zeigt sich die Situation noch recht unterschiedlich. Wenn die Feuerbestattung in einer Gemeinde aber einmal sozial akzeptiert ist, geht auch dort der Trend rasch zum Urnenbegräbnis, so Dobretsberger. Das Interesse, diesen kulturellen und gesellschaftlichen Veränderungen nachzugehen, ist groß. Zum Symposium „Urne wie Sarg?“ kamen über 100 Teilnehmer: Begräbnisleiter/innen – Priester, Diakone und Laien, Liturgiereferenten aus ganz Österreich und Bestatter/innen. Die katholische Kirche bevorzugt aus guten Gründen die Erdbestattung, betont Univ.-Prof. Ewald Volgger. Nachdem Papst Leo XIII. 1896 die Feuerbestattung verboten hatte, wird sie vom Heiligen Offizium 1963 wiederum genehmigt. Erst stillschweigend, ein Jahr später dann offiziell. In der Feier von Verabschiedung und Begräbnis stellt die Feuerbestattung für die Liturgie eine besondere Herausforderung dar. Als Stichworte nennt Volgger die Wahrhaftigkeit in der gottesdienstlichen Sprache und die Riten im Umgang mit der Urne. Man spricht zu einem Toten, der in einem Sarg vor einer Feiergemeinde aufgebahrt ist, anders als zu einer mit Asche gefüllten Urne. Hier unterscheiden zum Beispiel die liturgischen Formulare noch zu wenig. „Die Kirche muss auf die Herausforderungen der Zeit reagieren, um Menschen pastoral und ritendiakonisch auf ihren Wegen gut zu begleiten zu können“, so Volgger. Bestatter Dobretsberger gab der Kirche den Auftrag mit, ihre Kompetenz für sinnstiftende Riten auch bei Urnenbeisetzung nicht abzugeben, und wünschte sich einen verstärkten Dialog von Seelsorgern und Bestattern. «