Halbzeitbilanz der Synode: Beim Kommunionsemfpang für wiederverheiratete Geschiedene könnte es Lockerungen geben. Aufsehen erregten auf der Synode die Aussagen von Ehepaaren zur Empfängnisverhütung.
Ausgabe: 2014/42, Synode, Bischofssynode, Erdö
14.10.2014
- Bernhard Hülsebusch, Rom
In seiner mit Spannung erwarteten Rede, die der ungarische Kardinal als Generalberichterstatter der Synode hielt, sind die wichtigsten in der ersten Synodenwoche evident gewordenen Tendenzen zusammengefasst. Laut Erdö sind sich die Synodalen darüber einig, dass sich die Kirche intensiver als bisher mit den konkreten Problemen der katholischen Paare befassen muss. Es gilt, die Wahrheit der Lehre und die Barmherzigkeit im Blick auf schwierige, irreguläre Situationen zu verbinden. Dazu sind ,,mutige pastorale Entscheidungen nötig“. Für manche Synodale ist offenbar die Wiederzulassung von wiederverheirateten Geschiedenen in Einzelfällen und nach einem „Weg der Buße“ unter der Verantwortung des Bischofs denkbar. Auch Erzbischof Bruno Forte, Chefexperte der Bischofssynode, hält dies für möglich. Entschieden ist aber noch nichts. Andere Synodale betonten, Erdös Bericht sei „noch keine Richtungsentscheidung“.
Appell an Geduld der Gläubigen
Die erste Arbeitswoche der Synode über „die pastoralen Herausforderungen im Blick auf die Familie im Kontext der Evangelisierung“ verlief in einem sachlichen Klima. Und man nimmt an, dass es so auch in der ,,zweiten Halbzeit“ bleibt, wenn in zehn Arbeitsgruppen (Circoli minori) Einzelthemen vertieft werden. Eine der französischsprachigen Arbeitsgruppen wird vom Wiener Kardinal Schönborn geleitet. Die Ergebnisse fließen in ein wohl am 18. Oktober vorliegendes Schlussdokument ein, auf dem dann die zweite Synode zur Ehe- und Familienpastoral im Herbst 2015 basiert. Der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, Markus Büchel, appellierte an die Geduld der Gläubigen. Er sagte aber auch, die (Schweizer) Gläubigen hätten viele Erwartungen, die man nicht enttäuschen dürfe. „Die Familie ist absolut kein überholtes Modell“, betonten mehrere Synodenväter. Und wohl alle stimmten dem brasilianischen Kardinal Damasceno Assis zu, als er sagte: „Wir wollen uns bewusst in die bestehenden schwierigen Probleme vieler Ehen und Familien hineinversetzen und allen Betroffenen klarmachen: Die Kirche ist das Vaterhaus, wo Platz für jeden ist.“
Enzyklika „Humanae vitae“: „Nicht praktikabel“
Aufsehen erregten auf der Synode die Aussagen von Ehepaaren zum Thema Empfängnisverhütung. Denn gerade bei diesen Punkt driften die Kirchenlehre und die Lebensrealität unzähliger Katholiken auseinander. So berichteten die brasilianischen Eheleute Arturo und Hermelinda Zamberline (seit 41 Jahren verheiratet, drei Kinder): Die Lehren der Enzyklika „Humanae vitae“ seien zwar schön und gut, aber „nicht praktikabel“. Ehepaare, besonders junge, „leben in einem Rhythmus, bei dem sie die ‚natürlichen Methoden‘ der Verhütung gar nicht anwenden können“. Anerkennung bei den Synodalen übrigens findet die perfekte Organisation dieser Kirchenversammlung.
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