Sarajevo, September 1998, zwei Jahre nach Kriegsende: Pulsierendes Leben. Keine Spur mehr von jenen bedrückenden Gefühlen, die uns befielen, als wir unmittelbar nach Kriegsende die Stadt besucht hatten. Der Verkehr unterscheidet sich kaum von dem in Linz oder Wien. Wären nicht auf Schritt und Tritt Zerstörungen des Krieges sichtbar, könnte man meinen, in einer „normalen“ europäischen Stadt unterwegs zu sein. Die Bautätigkeit ist enorm. An allen Ecken und Enden wird gehämmert, gesägt, gebohrt, gemauert, um die Ruinen wieder bewohnbar zu machen. In irgendeinem Eck fast jeder Fabriksruine beginnt eine bescheidene Produktion. Manche Prestigeojekte ausländischer Konzerne erstrahlen in neuem Glanz. Es ist ein Wunder, wie das Menschen schaffen, die 1000 bis 2000 Schilling im Monat als Familieneinkommen zur Verfügung haben. Der Optimismus, der sich aus der oberflächlichen Betrachtung des bunten Treibens ergibt, wird ein wenig gedämpft, wenn man sich die alltäglichen Sorgen der Menschen anhört, wenn man sie in ihren Wohnungen aufsucht und deutlich sieht, daß es gerade für das Allernotwendigste reicht. Natürlich hat auch die Regierung schwere finanzielle Sorgen. Eine verzweifelte Deutsch-Lehrerin berichtet, daß nur ein kleiner Teil unbedingt notwendiger Bücher eingetroffen sei. Fremdsprachenunterricht ist ohne Bücher fast unmöglich. Unser Angebot, die fehlenden, in Bosnien nicht erhältlichen Exemplare zu kopieren, ist nur realisierbar, wenn Menschen uns unterstützen.Gerhard Wagner, Molln und Carlo Neuhuber, Steinbach/ Steyr (Tel. 07257/7119) Konto-Nr. 77093765. PSK (BLZ 60000), Sarajevo-Schulbücher.