Um 600 v., also kurz vor der Eroberung des Königreiches Juda und seiner Hauptstadt Jerusalem durch das Großreich Babylon, trat der Prophet Habakuk auf. Die Zeiten sind unruhig, religiöses und moralischen Fehlverhalten von Teilen der Bevölkerung prägen die Gesellschaft. Habakuk jammert hier nicht um seine eigene persönliche Not. Die Not des Volkes ist es, die ihn so sprechen läßt.Hab 1, 2–3. 2, 2–4Wie lange, Herr, soll ich noch rufen, und du hörst nicht? Ich schreie zu dir: Hilfe, Gewalt! Aber du hilfst nicht. Warum läßt du mich die Macht des Bösen erleben und siehst der Unterdrückung zu? Wohin ich blicke, sehe ich Gewalt und Mißhandlung, erhebt sich Zwietracht und Streit. Der Herr gab mir Antwort und sagte: Schreib nieder, was du siehst, schreib es deutlich auf die Tafeln, damit man es mühelos lesen kann. Denn erst zu der bestimmten Zeit trifft ein, was du siehst; aber es drängt zum Ende und ist keine Täuschung; wenn es sich verzögert, so warte darauf; denn es kommt, es kommt und bleibt nicht aus. Sieh her: Wer nicht rechtschaffen ist, schwindet dahin, der Gerechte aber bleibt wegen seiner Treue am Leben.