Zehn Aussätzige wollen gesund werden. Sie setzen ihre Hoffnung auf Jesus. Uns fällt beim Lesen auf, daß die Aussätzigen die Aktiven sind. Wir beleuchten ihr Tun näher. Dabei entdecken wir, daß alle Schritte aufgezählt sind, die für die Heilung nötig sind.Nicht einer, sondern zehn Menschen sind es, die um Erbarmen rufen. Betroffene haben sich zusammengetan, um so ihr Schicksal besser zu meistern. Sie rufen gemeinsam. Sie haben sich also geeinigt. Einer allein hätte sich vielleicht nicht getraut. Jesus sieht, hört sie an und spricht mit ihnen. Er gibt ihnen Aufmerksamkeit und Zuwendung. Und er gibt ihnen eine Perspektive. Die Gruppe macht sich auf den Weg. Die zehn haben ein Ziel vor Augen. Durch ihr Gehen können sie selbst zur Heilung beitragen. Einer richtet den Blick auf sich selbst. Er sieht, daß er geheilt ist. Er kehrt an den Ort der Heilung zurück, um Gott zu ehren. Er schließt so seine Veränderung ab. Bis heute gültigDie Gruppe, die Aktion, die Zuwendung, das Sich-auf-den-Weg-Machen, die Selbstwahrnehmung, das Danken – all das ist uns aus der Arbeit in den Runden im Betriebsseelsorge-Zentrum vertraut. Diese Grundvoraussetzungen für eine Veränderung gelten bis heute. Wir haben diese Elemente entdeckt, weil wir die Bibeltexte, mit denen wir arbeiten, sehr genau lesen. Es ist uns wichtig, nicht sofort zur persönlichen Deutung überzugehen. Immer wieder beginnt eine Aussage so: „Im Vers . . . steht . . .“, und alle beugen sich über die Bibel, um nachzulesen. So bleiben wir am Text und kommen nicht vom Hundertsten ins Tausendste. Und es reden auch jene mit, die wenig über Bibel wissen. „Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden?“, fragt Jesus. Er findet also, daß der Samariter richtig gehandelt hat. Er ist an den Ort seiner Heilung zurückgekehrt, um dort Gott zu ehren. Wir wissen, daß es zwischen Juden und Samaritern Streit gab um den richtigen Ort der Gottesverehrung. Für Samariter war der Tempel von geringerer Bedeutung. Die neun anderen hatten den offiziellen Weg gewählt. Die Priester waren dafür zuständig, ihre Heilung zu bestätigen. Erst nachdem die Geheilten ein Opfer dargebracht hatten, durften sie in die Gemeinschaft zurück. Dank am richtigen OrtWas aber hätte der Andersgläubige bei den Priestern tun sollen? Ihm genügt die Wahrnehmung, daß er rein ist und er vertieft diese Erfahrung durch Dank. Er lobt Gott mit lauter Stimme. Er tut das nicht im Tempel, sondern bei Jesus, seiner einzigen Hoffnung, als er noch aussätzig war. Jesus gab den zehn Kranken in ihrer Not einen wichtigen Anstoß. Nur einer kehrt zu ihm zurück. „Dein Glaube hat dir geholfen“, sagt Jesus und meint damit das Sich-auf-den-Weg-Machen und den Glauben daran, es genüge, wenn Jesus ihn als gesund erklärt. Als der Samariter seine Heilung bemerkt, ändert er sein Ziel. Die Bescheinigung wird unwichtig, er kehrt um. Er hält bei Jesus inne und nimmt sich Zeit, das Geschehene zu verarbeiten. So hat er auch den letzten wichtigen Schritt für eine dauerhafte Veränderung gemacht.