In der Jubiläumsschrift zu fünf Jahre „WeGe“ (siehe Bericht unten) ist der Brief eines betroffenen Haftentlassenen abgedruckt: „Gott sei Dank gibt es diese Einrichtung. Nach meiner Haftentlassung wäre ich sonst auf der Straße gestanden, ohne Geld, ohne Arbeit, ohne Dach über dem Kopf und ohne irgend jemanden, mit dem ich reden kann. Trotzdem liege ich Abend für Abend in meinem Bett und frage mich, wofür ich noch auf der Welt bin. Mit 63 Jahren, auf scheinbar auswegloser Wohnungssuche, für das Arbeitsamt nicht vermittelbar. Wie soll es mit mir weitergehen? Wohnungen, die in Zeitungen angeboten werden, sind für mich zu teuer. Auch wenn ich weiß, daß ich hier nicht rausgeschmissen werde – ein Dauerzustand ist das nicht. Aber untertags vergesse ich diese Probleme, wenn ich . . . hier in unserem Garten nach dem Rechten sehe. . . Wenn man mit jemandem reden kann, hilft das schon sehr.“Vor fünf Jahren wurde die „WeGe Wels“ der Caritas gegründet. Es ist eine Wohngemeinschaft für haftentlassene Männer. Acht „Ehemalige“ haben hier ein Jahr Quartier und Betreuung. Am 8. Oktober wurde dieses WeGe-Geburtstages in einer kleinen Feier gedacht. Neben Vertreter/inne/n des öffentlichen und politischen Lebens sowie der Caritas kamen auch Freunde und ehrenamtliche Mithelfer/innen, die dem anfangs umstrittenen Projekt durch fünf Jahre Stütze waren.Sozialprojekte sind gewöhnt, sofort mit der Frage nach dem Erfolg konfrontiert zu sein. Denn in einer Gesellschaft, die in Kosten-Nutzen-Kategorien denkt, muß sich auch soziales Engagement rechnen. Wieviele haben hier Tritt fassen könnne? Wievielen ist es gelungen, ein neues Leben zu beginnen, nicht mehr rückfällig zu werden? Wer solche Fragen zuallererst stellt, weiß nichts von den Lebenswunden, die zuerst mühsam heilen müssen. Und er bedenkt nicht, wie schwer es viele Zeitgenossen Menschen machen, zurückzufinden.Darum ist dieses „zeichenhafte“ Projekt in Wels, wie es der Leiter der Sozialen Dienste der Caritas, Mathias Mühlberger bei der Feier genannt hat, umso beachtlicher. Darum ist die Solidaritätsadresse der Politiker der Stadt Wels und des Landes umso wichtiger. Und darum ist der Dienst der etwa 15 ehrenamtlichen Helfer/innen so bedeutsam, die mit zwei Zivildienern die drei Hauptamtlichen unterstützen.Aber zurück zur übereiligen Frage: Wie steht es um den Erfolg? – Von bisher etwa 50 Bewohnern kamen während des Aufenthaltes nur fünf wieder ins Gefängnis. Ein wirklich großer Erfolg, wenn man vergleicht, daß sonst die Rückfallquote bei bis zu 50% liegt.