Die Solidarität mit den 1000 ärmsten Diözesen in Afrika, Asien und Amerika steht im Mittelpunkt des Sonntags der Weltkirche. Am Beispiel von Bangladesch wird der Einsatz der Kirche für die Ärmsten sichtbar.„Land und Bildung“ hat Bischof Paulinus Costa aus Rajshahi auf seine Fahnen geschrieben. Denn viele Familien der nichtbengalischen Ureinwohner haben hier im Nordwesten ihr Land an Großgrundbesitzer und Wucherer verloren. Daß die meisten von ihnen Analphabeten sind, drei von vier Frauen können in Bangladesch weder lesen noch schreiben, verschärft die Situation. „Ein Stück Land ist die Lebensgrundlage für die ärmsten Familien“, sagt Bischof Paulinus. Und im selben Atemzug nennt der 62jährige Bischof die Notwendigkeit der geistigen wie schulischen Bildung: „Gebildete Kinder und Jugendliche werden ihr Wissen weitergeben und eine gerechtere Zukunft mitgestalten.“ In jeder der zehn Pfarren konnte bereits eine Schule samt Internat eröffnet werden; 5000 Kinder spielen und lernen in den Gruppen des „Kindermissionswerkes“.Mit Spendengeldern des „Sonntags der Weltkirche“ hat Bischof Paulinus einem Wucherer Land abgekauft und es besitzlosen Santali-Familien zur Verfügung gestellt. 7000 Taufbewerber Das Engagement für die Ärmsten erscheint als glaubwürdige Form der Mission: auf die 35.000 Katholiken der Diözese Rajshahi kommen bereits ebenso viele Taufbewerber. „Höchstens 7000 können wir in den nächsten zwei Jahren unterrichten, bevor sie die Taufe erhalten. Mehr schaffen wir beim besten Willen nicht“, versucht Bischof Costa den Ansturm zu bewältigen.Christen wie Paul Charwa Tigga engagieren sich gemeinsam mit Hindus und Muslimen für die Entwicklung ihres Landes. Als Sohn einer armen Bauernfamilie besuchte Paul mit einem Stipendium eine katholische Schule, studierte Soziologie, wurde Christ und gründete die ländliche Entwicklungsorganisation „Dipshika“, was soviel heißt wie „Lichtfunke“. Zur multireligiösen Zusammenarbeit meint er: „Da bei uns Muslime, Hindus, Christen und Angehörige traditioneller Religionen Seite an Seite leben, brauchen wir für unsere Zukunft eine religiöse Harmonie durch gegenseitige Achtung und Toleranz.“Aussicht auf ZukunftAuf dem Dorfplatz von Dokim Debipur verscheucht Jahanara das letzte Huhn von der Strohmatte, auf der die Frauen im Kreis sitzen, und packt ihre Schaubilder zum Thema Hygiene, Ernährung und Kinderpflege aus. Von frischem Gemüse, sauberem Wasser über Impfungen bis zum Latrinenbau reicht der Unterricht. Den Dorfbewohnern fehlt es an Land, Einkommen, Bildung und Gesundheit – und damit an jeder Zukunftsperspektive. Die Organisation „Dipshika“ bildet Frauen wie Jahanara aus, die ihr Wissen an Frauengruppen in den muslimischen und christlichen Dörfern weitergeben. Den finanziellen Startschuß bilden Kleinkredite, die Banken den Armen gewöhnlich verweigern. Gemeinsam mit den Frauen von Dokim Debipur schmiedet Jahanara mit neuem Selbstvertrauen Zukunftspläne. Lichtfunken bieten einen Ausweg aus dem Kreislauf der Armut.Bangladesch, das „Land der Menschen, die Bengali sprechen“, ist seit 1971 unabhängig (früher Ost-Pakistan). Mit 831 Einwohnern pro Quadratkilometer (96 in Österreich) zählt das Land zu den am dichtest besiedelten Staaten; 80 Prozent der 123 Millionen leben in 60.000 Dörfern. Drei von zehn Einwohnern leben von weniger als zwölf Schilling pro Tag. Der Islam ist Staatsreligion (87% Muslime), laut Verfassung existiert jedoch Religionsfreiheit. In sechs Diözesen leben 250.000 Katholiken.