Als Johannes Paul II. nach seiner Wahl auf die Mittelloggia des Petersdoms trat und seine erste Ansprache in gutem Italienisch hielt, da hatte der Papst aus Polen schon die Herzen der zunächst perplexen Italiener erobert. Erstmals seit 450 Jahren trat ein Nichtitaliener die Nachfolge Petri an. Und der 58jährige gab einen neuen und unorthodoxen Stil vor: Das höfische „Wir“ verschwand ebenso endgültig wie der päpstliche Tragsessel. Vor allem seine inzwischen 84 Auslandsreisen wurden zum Markenzeichen. Und als Papst, der auf die Menschen zugeht, wurde er bald der „Superstar“ für die Medien. Die Menschenrechte – besonders der Schutz ungeborenen Lebens – sind ein zentrales Thema für den Papst, der keine 30 Kilometer von Auschwitz entfernt geboren wurde und seit seiner Jugend die Folgen von Antisemitismus und Krieg, von Kommunismus und totalitärem Regime miterlebt hatte. Ein zentraler Satz seiner ersten von bisher 13 Enzykliken lautet nicht zufällig: „Der Mensch ist der Weg der Kirche.“ Ein Bild jedoch, das bei der Lösung innerkirchlicher Fragen in vielen Ortskirchen nicht als der „römische Weg“ empfunden wird. In den letzten Jahren wurde der Papst in seiner Gebrechlichkeit für viele zu einer berührenden Gestalt des Glaubens. Manche Beobachter jedoch meinen, daß einige im Kurienapparat seine Krankheit nützen, um den „Primat des obersten Hirten“ auf ihre Ämter auszudehnen.