Das Makkabäerbuch berichtet von einer beklemmenden Situation. Brutale Folter und Tod erwartet jene, die sich zum Glauben bekennen. Letzte Hoffnung ist, daß Gott eine Zukunft gibt, die Menschen nicht zerstören können. Der Glaube an die Auferstehung ist eine Auferstehung im Innersten des Herzens, die Zuversicht in die Treue Gottes gegen den Anschein äußerer Ereignisse. Im Evangelium begegnet uns die Frage nach der Auferstehung als Diskussionsthema. Es bleibt aber nicht dabei. Denn Jesus geht mit Sadduzäern ein kleines Stück Beziehungsweg. Die erste Station: Jesus wird mit einem konstruierten Fall konfrontiert: Eine Frau, nacheinander mit sieben Brüdern verheiratet. Wir durchschauen die Situation schnell. Wie oft kommt das vor? Nie. Eindeutig, daß dadurch der Glaube an die Auferstehung in Frage gestellt oder gar ins Lächerliche gezogen werden soll. Als LeserInnen stellen wir uns selbst schnell an die Seite Jesu. Aber Vorsicht: Die Situation, in der wir auf eine Weise reden, daß die anderen lächerlich erscheinen, ist uns ja nicht ganz unbekannt.Eine neue EbeneDoch Jesus antwortet: In jener Welt der Auferstehung stellt sich diese Frage nicht. ‚Denn sie sind Engeln gleich’ – Auferstehung gehört in den Bereich Gottes. Damit sind wir bei der zweiten Station des Beziehungsweges. Jesus hat sich auf eine andere Ebene begeben. Er ruft eine alte, eine für seine ZuhörerInnen sehr ehrwürdige Schriftstelle in Erinnerung und legt sie neu aus: Wenn Gott selbst sich in der Offenbarung seines Namens mit den Namen von Menschen verbindet – ‚Gott Abrahams und Gott Isaaks und Gott Jakobs’ – dann deutet das darauf hin, daß diese Menschen für ihn lebendig sind. Wenn Gott sich so eng mit den konkreten Menschen verbunden sieht, ist das ein Hinweis, daß der Tod nicht das letzte Wort hat. Lukas zeigt Jesus hier nicht als einen Offenbarer, der wie aus einer anderen Welt etwas hereinspricht, was vorher nie dagewesen wäre. Er zeigt Jesus vielmehr als einen Offenbarer, der einen noch verborgenen Sinn einer Schriftstelle ans Licht hebt. Er zeigt ihn damit in einem behutsamen Dialogprozeß mit den Menschen um ihn herum. Die Worte des Mose kennen sie. Aber nun wird diese alte Stelle zu einem Weg, der sie von der Oberfläche des Recht-bekommen-Wollens in ihre eigene Mitte führt. Ein tiefsinniges Gottesbekenntnis nehmen sie mit: ‚Gott ist aber nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden, denn für ihn sind alle lebendig.’ Einige der Schriftgelehrten gehen den Weg mit: ‚Lehrer, du hast gut gesprochen’ (20,39).Gesprächsschule JesuWo kommen wir in der Geschichte vor? Wir können die inhaltliche Botschaft des Gottesbekenntnisses Jesu – Gott ist ein Gott der Lebenden, denn für ihn sind alle lebendig – zu unserem Glauben und zu unserer Hoffnung werden lassen. Und wir können bei Jesus in die Gesprächsschule gehen: Spüren, wenn es uns selbst um Herabsetzung anderer geht und dann innehalten. Es auch spüren, wenn es anderen um Herabsetzung geht, und dann eine persönlichere Ebene des Gesprächs suchen.