Fragt man die Österreicher, was ihnen in ihrem Leben am wichtigsten ist, dann stehen Gesundheit und ein glückliches Familienleben an erster Stelle. Beides gibt es nicht „gratis“. Für die Kirchenzeitung haben Ehepaare verraten, was ein stabiles Familienleben begünstigt, was eine Partnerschaft glücklich macht und was durch Spannungen, Krisen und Sorgen trägt. 1. Ein verliebtes Gefühl füreinander bewahren und pflegen. Kathi und Bert waren von Anfang an sehr verliebt – das ist eine gute Basis für eine Beziehung. Heute gießen sie das „kostbare Pflänzchen Liebe“, damit das Herzklopfen nicht aufhört. Sie schenken einander Be/Achtung. Sie freuen sich über die Ausstrahlung des anderen, über Fähigkeiten, Erfolge, Kraft, und sagen oder zeigen es dem anderen auch öfters durch kleine Gesten, wie wertvoll er/sie einem ist.2. Den anderen akzeptieren, wie er ist, ihn nicht umerziehen und ändern wollen. Gerti und Franz haben ihre Eigenheiten und „Schwachpunkte“, wie Unpünktlichkeit, Pedanterie etc. Die beiden nehmen sich so an, wie sie sind. Sie wissen, Unzulänglichkeiten lassen sich bestenfalls mit einem Schuß Humor oder mit liebevollem manchmal augenzwinkerndem Verständnis und Entgegenkommen entschärfen, nicht jedoch mit Nörgeln und Vorwürfen. Annehmen muß man auch die Verwandten, so wie sie sind – sie sind Teil des anderen und gehören zu ihm und zur (neuen) Familie dazu. 3. Raum für Gespräche lassen (den richtigen Zeitpunkt dafür wählen!). In allen Phasen der Ehe ist es notwendig, von Zeit zu Zeit (noch) gemeinsame Ziele und Anliegen zu prüfen und Schwierigkeiten anzusprechen. Kathi und Bert schaffen bewußt Möglichkeiten für Gespräche und zu Problemlösungen – sowohl im häuslichen Alltag, z. B. beim Abendessen als auch außerhalb der normalen Tretmühle, etwa bei einem Spaziergang oder bei einem Kaffeehausbesuch. Jeder spricht klar aus, was er erwartet und versucht zu akzeptieren, was den anderen stört. Das heißt, man muß mit mancherlei Kompromissen leben lernen. 4. Sich um einen respektvollen Umgangston bemühen.Anna hat gelernt, sich auf eigene Füße zu stellen und selbstbewußt einen Standpunkt zu vertreten. Auch wenn mit Christian das Temperament durchgeht – er wird schnell ungeduldig und grantig, bewahrt sie Gelassenheit. Gegenseitiges Ankeppeln bringt nicht weiter. „Innehalten, tief durchatmen und versuchen ‘drüber’ zu stehen“ – finden die beiden für eine gute Devise. Das ist allerdings leichter gesagt als getan, man lernt es erst im Lauf der Jahre besser. Sich an das Motto zu halten „Lach mal wieder!" hat ihnen schon oft weitergeholfen. 5. Aus Fehlern lernen und neue Stategien entwickeln. Kathi und Bert hatten oft regelrechte Machtkämpfe schon wegen Kleinigkeiten. Seit sie den Ursachen nachspüren und nervenaufreibende Dinge fair, direkt und unter vier Augen ansprechen geht es ihnen besser. Gemeint ist, daß man miteinander einen Teufelskreis durchbricht und aktiv etwas tut, anstatt nur zu zu jammern. In bildhafter Sprache ausgedrückt: Nicht ständig die „alte Platte“ auflegen oder „alten Kakao aufwärmen“, sondern etwas verändern. Das Paar hat nach kurzfristiger professioneller Hilfe z.B. aufgehört, sich gegenseitig vor anderen herabzuwürdigen, was immer wieder zu peinlichen Situationen und zu Streit führte. 6. Ein Gleichgewicht der Kräfte schaffen.Keiner soll zu kurz kommen, sonst wird einer unzufrieden und bricht irgendwann aus. „Es muß ein Gleichgewicht bestehen zwischen Geben und Nehmen“, meinen Thomas und Elke. Sie finden, daß dies besonders in der Sexualität wichtig ist, die die Beziehung belebt und richtig schön macht. Beide sollen das Gefühl haben, der/die begehrt und mag mich, möchte, daß ich mich rundherum wohl fühle. Hier müssen Erwartungen ausgesprochen werden. Der andere kann nicht Gedankenlesen.7. Dem/der Partner/in Freiräume lassen. Hobbys können eine große Bereicherung für alle und im positiven Sinn prägend für den Werdegang der Kinder sein (Musik, Sport ... ). Wenn sie zu familienfeindlich sind, ist es sinnvoll gewisse Regeln auszuhandeln, sodaß alle damit leben können. Das machten Kathi und Bert. Seither verbringt Bert angemessenere Zeit mit seinen Sportsfreunden. Liebe ist auch, ihn/sie nicht ständig zu stören und zu gängeln. Auch Liebende brauchen Zeit für sich allein und Luft zum Atmen – für ihre Hobbys und Vorlieben. 8. Keine Zeit für Langeweile lassen. Erfreulich jugendlich wirken Thomas und Elke trotz erster grauer Haare. Sie lassen die Welt herein in die vier Wände, schauen über den eigenen Gartenzaun. Man kann mit ihnen gut über Tagespolitik, neue Musik, Bücher usw. reden. Den beiden wird nie fad miteinander, und der Gesprächsstoff geht nicht aus, weil sie einen weiten Horizont haben, viel unternehmen, Freundschaften pflegen und sich auch anderweitig engagieren, Thomas in der Pfarre, und Elke bei einer Laienspielgruppe.9. Einander Geborgenheit und Heimat geben. Gerti und Franz ziehen an einem Strang. Sie wirken locker in dem Bewußtsein, da ist jemand, der zu mir hält, der schaut, daß ich mich wohlfühle, der mich annimmt und fürsorglich ist, wenn ich krank bin, oder der mir sein Ohr leiht und bei Kummer in die Arme nimmt. Sie packen im Haushalt und bei den Kindern an, wo Arbeit anfällt, und kleben nicht an Rollenklischees.10. An neuen Impulsen interessiert sein. Auch wenn es Anna und Christian meist gut miteinander geht, besuchen sie von Zeit und Zeit ein Ehe-Seminar. „Man lernt immer wieder dazu und sieht manches wieder aus einem ‘belebenden’ Blickwinkel!“ so die Erfahrung.