Madagaaskas: Ehepaar rettet 175 Ahnungslose vor schlimmsten Schicksal
Ausgabe: 1999/04, Madagaskar, Lepra
26.01.1999
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Dem Kampf gegen Lepra hat Engelbert Gruber sein Leben gewidmet. Der Kamillianerpater arbeitet seit 1987 in Ilena, im Süden Madagaskars.Er ist das Herz von Ilena – der neue Brunnen der Leprastation. Seit 1990 spendet er den 250 Dorfbewohnern nicht nur gesundes Wasser, er wurde auch zum Symbol für den Kampf gegen Lepra: der Krankheit der Armut. Zwölf Jahre lebt hier bereits Pater Engelbert Gruber. Und seit die madagassische Regierung die Leprastation ganz in die Hände der Kamillianerpatres gelegt hat, ist der aus dem oberösterreichischen Großraming stammende Ordensmann nicht nur für die Krankenpflege und die Seelsorge zuständig. Auch für das wirtschaftliche Überleben des Dorfes ist der 49jährige Priester verantwortlich. Der Anbau von Mais, Zuckerrohr, Erdnüssen und verschiedenen Gemüsearten bildet die Existenzgrundlage.Chancen für die JugendIlena ist heute Teil des nationalen Planes zur Bekämpfung der Lepra. Ziel ist es, Neuerkrankungen zu verhindern und bereits Geheilte wieder in ihr Dorf und in ihre Familie zurückzuführen. Anders als noch vor wenigen Jahren bleiben heute in Ilena die Kinder bei ihren an Lepra erkrankten Eltern. Anstatt weggenommen zu werden, lernen sie in der dorfeigenen Schule mit der Krankheit ihrer Eltern umzugehen und werden auf das Leben außerhalb der schützenden Mauern vorbereitet. Eher bedrückend hingegen ist die Situation der älteren Menschen. Vielfach von der Krankheit schwer gezeichnet, trauen sie sich schon seit Jahren nicht mehr aus ihren Häusern.Rechtzeitig schauenNur eine Tagesreise von Ilena entfernt liegt Isifotra. Hier, im Süden der Insel, lebt seit zwei Jahren das Ehepaar Elisabeth und Enzo Caruso. Ihre große Liebe zu den Kranken hat die beiden Krankenpfleger aus Wien in das 700 Einwohner zählende Dorf geführt. Die Menschen, ehemalige Nomaden, leben in einfachsten grasbedeckten Lehmhütten.Das Leben in dieser kargen Gegend ist alles andere als eine Idylle. Regelmäßig zerstören Wirbelstürme die wenigen Reisfelder. Den Rest vernichten Heuschrecken, die in riesigen Schwärmen über das Land fallen. Hunger und Mangelernährung sind zu treuen Begleitern der Menschen geworden. In ihrer Not graben sie nach Wurzeln, um sich von ihnen zu ernähren.Ihren Dienst in der von ihnen in Isifotra aufgebauten Krankenstation beginnen Elisabeth und Enzo Caruso mit einem Gebet. Bei den Menschen findet das großen Anklang, denn Heil und Heilung gehören für sie zusammen. Seit die beiden hier im Süden der „roten Insel“ tätig sind, haben sie bereits 175 Leprafälle neu entdeckt. Und das bei Menschen, die völlig ahnungslos waren, daß sie den gefährlichen Krankheitskeim längst in sich tragen. Bei einer Visite im kleinen Bergdorf Lovolo Anfang November 1998 waren es alleine 16 an einem einzigen Tag. Sie haben Glück, denn dank der Medikamente, die von Österreich finanziert werden, bleibt ihnen ein grausames Schicksal erspart.Lepra ist heilbarLeprahilfe heißt nicht mehr nur Wunden zu verbinden, sondern die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern. Denn es ist eine Krankheit der Armut: Hunger, Mangelernährung sowie verschmutztes Trinkwasser sind der ideale Nährboden. Darüber hinaus verhindert die Früherkennung, daß die gefürchtete Krankheit überhaupt zum Ausbruch kommt. Vor allem aber bedeutet Leprahilfe, den Geheilten wieder ein Leben zu ermöglichen in einer Gesellschaft die nicht aussetzt, sondern aufnimmt.