Ich lade Sie ein, mit mir das etwas ungewöhnliche Kreuz zu betrachten: Ein Metallrahmen stellt die Form des Kreuzes dar, das Innere füllen verschiedene Gegenstände: Zahnräder, Schrauben, Bohrer, ein Fahrradkettenteil, Bleuelstange und Feder, mehrere Kugellager, usw. Sie werden sich nun wohl fragen: Was wollen diese Dinge darstellen? Welche Bedeutung haben sie? Für mich ist es tiefer Ausdruck unserer Weltrealität heute: Der Arbeitswelt, der Wirtschaft, Politik und Religion, in der wir täglich unser Kreuz des Lebens zu tragen haben.Das Kreuz liegt auf Ziegeln und auf einer mit Salzsteinen gefüllten Schale. Eine Kerze mit der Aufschrift „Mehr Mensch – mehr Wort“ und einigen umrißhaft dargestellten Menschen schließen die Anordnung der Gegenstände.Eure Gerechtigkeit ist . . .Vom Evangelium her möchte ich mich auf die Salzsteine konzentrieren. Sie stehen für mich für die Botschaft Jesu. Sie brachte Würze in unsere Welt. Die rechte Dosierung des Salzes braucht feines Gespür. Dies ist eine große Aufgabe. In Mt 5, 13 wird sie als Zusage an uns alle positiv formuliert: „Ihr seid das Salz der Erde.“ Ihr seid eine gute Prise Salz, indem ihr euer Leben geschmackvoll würzt und nicht versalzt. Angesichts der Weltrealität ist dies eine nahezu ständige Überforderung: Wir sind in das Getriebe des neoliberalen Wirtschaftens gewaltsam eingespannt. Es ist sehr schwer, sich herauszuhalten und alternative Wege einzuschlagen. An Ideen mangelt es nicht, sie zu realisieren fällt uns aber schwer. Es braucht noch viel Überzeugungskraft und mehr politischen Willen. Die Folgen des derzeitigen neoliberalen Wirtschaftssystems sind bekannt: Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Gewinnmaximierung, Umverteilung für die Reichen zu Lasten der Ärmsten . . .Angesichts dieser Weltrealität ist es nicht einfach, Mensch bzw. Christ zu sein: Es ist eine ganz spezielle Herausforderung, die sich um die Fragen dreht: Wie kann eine Übersetzung ins Leben heute gelingen? Wie sind wir die gute Prise Salz in der Welt? Allein werden wir es nicht schaffen. Wir können der Zusage Jesu vertrauen, daß er uns durch den Hl. Geist neue Wege aufzeigen, uns stärken und begleiten wird. Die Ziegel, auf denen das Kreuz unserer Arbeits- und Lebenswelt aufruht, stellen für mich solche „Bausteine für die eine Welt“ dar, in der alle menschenwürdig leben und arbeiten können. Menschen sind und werden wir auf dem gemeinsamen Fundament aller, die Salz sind, die bereit sind das Kreuz gemeinsam zu tragen. Dies kann heißen, sich für gerechtere Arbeitsbedingungen einzusetzen, für weltweite gerechte Preise und Löhne, für die Armen, Schwachen und Ausgegrenzten. . . . wie das Salz der ErdeDieses Engagement setzt dort an, wo jeder und jede arbeitet, mit anderen zusammenlebt, wo sie sich für andere einsetzen – in der Familie, Nachbarschaft, Schule, Pfarre, am Arbeitsplatz usw. Dies ist echte konkrete Nächstenliebe. So ist und kann jeder und jede eine notwendende und gute Prise Salz sein.