Wie die Erstbeichtpraxis gehandhabt wird: Versöhnung im Vordergrund
Ausgabe: 1999/12, Beichten
23.03.1999
- Maria Haunschmidt
Sind die Kinder mit acht Jahren zu jung für das Beichten? Welche Modelle gibt es in den Pfarren? Soll die Beichte z. B. unmittelbar vor der Erstkommunion sein? Der Brief einer Mutter an die Kirchenzeitungsredaktion drückte besorgte Fragen rund um die Erstbeichte aus. „Das Buß- und Beichtverständnis ist sehr wohl in der 2. Klasse Volksschule möglich, aber es muß den Kindern auf eine Weise nahe gebracht werden, die ihrem Alter entspricht. Das betrifft die Vorbereitung, wie auch das Beichtgespräch selbst“, so Mag. Monika Heilmann, verantwortlich für die Kinderpastoral in der Diözese Linz. „Wichtig ist, daß Versöhnung und Neuanfang im Leben der Kinder auch stattfinden.“Gedanke der SolidaritätPriester, Religionslehrkräfte und Tischmütter und -väter sind sehr bemüht, mit Kreativität und Sensibilität das Gewissen zu bilden, mit dem Kind anzuschauen, was nicht in Ordnung war, wie man es gut machen könnte, und wo Versöhnung im konkreten stattfindet. Auch die Eltern sind in die Bußvorbereitung einbezogen, indem sie bei Elternabenden informiert werden. Monika Heilmann verweist insgesamt auf die Verantwortung – das Mitgehen und das Vorbild – der Eltern im religiösen Bereich. Grundsätzlich sind Kinder neugierig, auch auf die Beichterfahrung. Hinter deren Angst vor der Beichte stehen z.B. in der Realität oft Beichterfahrungen der Eltern, oder es sind irgendwelche Schauergeschichten im Umlauf. In der Beichtvorbereitung wird heute viel mit Symbolik – wie Schatten und Licht – gearbeitet. Jesu Liebe und Verzeihen steht im Vordergrund. Auch wenn so gut wie alle Religionslehrkräfte von dem angstmachenden Vokabular von Fegefeuer und Hölle weggegangen sind, wird doch Wert auf eine gute Gewissensbildung gelegt. „Es soll sich nicht jeder alles richten können“, findet Sylvia Ratzenböck, Religionslehrerin in Reichenthal, in einer pluralistischen Gesellschaft wichtig. Sie regt die Kinder nicht nur an nachzudenken, was sie getan haben, sondern auch darüber, daß das, was sie tun und – an Gutem – unterlassen, auch Auswirkungen und Folgen für andere hat. Wenn sie von Kindern nach der Erstbeichte hört: „Wir fühlen uns jetzt so leicht!“ ist das ein Zeichen, daß sie fähig waren zu verstehen, worum es geht. Zeitlich anders möglichDie beiden Sakramente Erstbeichte und Erstkommunion sind heute zeitlich entflechtet; in den meisten Pfarren findet die Erstbeichte in der Fastenzeit statt. Grundsätzlich ist die Hinführung zur ersten Beichte vor der Erstkommunion vorgesehen und im 2. Schuljahr angesetzt. Mancherorts findet die Erstbeichte nach der Erstkommunion statt. Das letztgültige Dokument der österr. Bischofskonferenz von 1974 besagt, daß dies möglich ist, wenn Bußfeiern angeboten werden.Beichten ist freiwilligMonika Heilmann findet es gut, daß man das eine Sakrament nicht mehr zur Bedingung für das andere macht, indem man dem Kind sagt: Du darfst nur zur Kommunion, wenn du vorher beichten gehst. Einzelbeichte ist verpflichtend vorgeschrieben bei schwerer Sünde, was aber bei Kindern so gut wie nicht vorkommt. Auch wenn es darum geht, die Beichte und Beichtpraxis im Kindesalter als Chance und Angebot einmal kennenzulernen, wird heute kein Kind zur Beichte gezwungen, wenn es nicht will. Im städtischen Bereich ist das Motivieren der Kinder sicherlich schwieriger als am Land, glaubt Sylvia Ratzenböck. Monika Heilmann: „Es geht nicht um die Pflicht, sondern um das Recht des Kindes auf Beichte – ein Angebot der Versöhnung und der Befreiung, ein Geschenk, das man ihm nicht vorenthalten darf“. Wenn ein Kind nicht beichten gehen will, ist das für Stadtpfarrer Mag. Franz Wild aus Traun kein Problem: „Beichten ist nicht etwas, was man absolvieren muß, sondern etwas, das einen positiven Eindruck hinterlassen soll“. Zwang darf es nicht geben. „Gott ist hier großzügig und trotzt deshalb nicht!“, ist er überzeugt. In seiner Pfarre findet die Erstbeichte erst in der dritten Klasse statt, in der zweiten gibt es eine Bußfeier. Den Hauptgrund sieht Pfarrer Wild darin, daß man sich dem Thema „Versöhnung“ dann in der 3. Klasse ausführlicher widmen kann, während in der zweiten Klasse das Thema Eucharistie im Vordergrund steht. Die etwas größere Reife ist ein Nebeneffekt in bezug auf ein besseres Schuldverständnis. Zu zweit zur BeichteNeu ist auch, daß Beichtpriester heute Beichtgespräche zu zweit oder dritt erlauben. Manche Kinder sind dann angstfreier: Sie bereiten sich miteinander vor und besprechen, was sie in Zukunft besser machen möchten. Erleben Kinder das Beichten positiv, umso eher nehmen sie dann die angebotenen Schulbeichten in Anspruch – und vielleicht als Erwachsene die Chance der Versöhnung durch das Beichten ...Die Erstbeichtfeier, oft auch als „Versöhnungsfest“ bezeichnet, ist so gut wie allerorts sehr schön und stimmig gestaltet. So lernen die Kinder den Beichtpriester und den Raum vorher kennen und die Eltern sind zum „Beichtfest“ geladen. Nachher gibt es meist eine einfache Jause. Bei der Beichtfeier wird gesungen, und jedes Kind darf eine Kerze an der Osterkerze entzünden. Bilder und biblische Geschichten erinnern an den guten Gott, der verzeiht und Neuanfang ermöglicht. Kinder in Gallneukirchen wuschen sich nach der Beichte symbolisch die Hände, der dahintersitzende Elternteil half dann mit einem Handtuch beim Abtrocknen.