Schlummer braucht Gelassenheit – wie lässt sich guter Schlaf fördern?
Ausgabe: 2000/02, Schlaf, Schlummer, Familie, Opa
12.01.2000
- Dr. Michael Lukas, KNA
In Österreich haben zwei Millionen Menschen zumindest zeitweilige Schlafstörungen.
Schlafentzug schadet der Gesundheit. Bei rund jedem dritten tödlichen Unfall am Tage ist Übermüdung im Spiel. Wenn wir uns am Abend in Morpheus Arme werfen, dann tun wir weit mehr, als uns nur einer wohligen Ermattung auszuliefern. Schlafen ist ein aktiver Zustand, in dem das Gehirn durchaus arbeitet und in Träumen Gedachtes und Erlebtes vom Tage verarbeitet wird. Der Idealzustand des erquickenden Schlafes ist für viele Menschen Ausnahmezustand. Eine deutsche Studie zeigte, dass jeder fünfte Patient, der eine von 21 Arztpraxen aufsuchte, an Schlafstörungen litt. Es kann verschiedene Ursachen haben. Am häufigsten rauben seelische Probleme, Ängste und Schwierigkeiten den Schlaf. Aber auch körperliche Ursachen können dazu führen, dass jemand „kein Auge zubekommt“. Schmerzen zum Beispiel, Herz- , Kreislauf- und Lungenerkrankungen. Eine gar nicht so seltene und geradezu hinterhältige Erkrankung ist die „obstruktive Schlafapnoe“, an der etwa drei Prozent der Erwachsenen leiden. Mehrmals in der Nacht setzt bei den Betroffenen die Atmung aus (Apnoe), weil die oberen Luftwege aus noch nicht ganz geklärten Gründen den Weg zur Lunge verlegen. Wie beim „Luftanhalten“ sinkt bald der Sauerstoffgehalt des Blutes ab, was die Sauerstoff-Fühler im Gehirn Alarm schlagen lässt. Das reißt den unruhigen Schläfer aus seinem Tiefschlaf, und mit einigen Schnarchzügen gleicht er sein Luftdefizit wieder aus. Solche Episoden kurzer Atemstillstände können sich mehrfach pro Nacht wiederholen. Kein Wunder, dass sich die Betroffenen dann müde durch den Tag schleppen. Da die Schlafapnoe aufs Herz schlägt, sollte sie behandelt werden. Viel zu häufig helfen die Menschen dem Schlaf künstlich auf die Sprünge. Der Griff zur Tablette ist zwar bequem und kann bei quälender Schlaflosigkeit auch momentan helfen. Längerfristig machen die Schlafmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine aber oft abhängig, auch haben sie meist Nebenwirkungen. Unproblematisch sind pflanzliche Präparate, die z. B. Baldrian, Melisse und Hopfen enthalten.
Tipps für gesunden Schlaf
– Die zarte Taube Schlaf locken wir am besten, wenn wir uns am Abend Zeit nehmen und auch geistig von Leistung auf Muße umstellen.
– Wichtig ist, eine gesunde Schlafatmosphäre zu schaffen. Weder zu warm noch zu kalt. Optimal ist eine Zimmertemperatur von etwa 16 Grad. Lärm sollte man nach Möglichkeit aus dem Schlafzimmer verbannen. Der Raum soll dunkel sein.
– Späte, reichliche und scharf gewürzte Mahlzeiten vertreiben den Schlaf ebenso wie das andere Extrem, der Hunger. Am verträglichsten ist eine leichte Kost nicht zu spät am Abend.
– Für Schlafgestörte ist es wichtig, Bett und Schlaf gedanklich miteinander zu verbinden. Das heißt: Lesen, Essen oder Fernsehen sollte man wenn möglich in einem anderen Zimmer.
Wenn man nachts aufwacht und längere Zeit wach liegt, kann es günstig sein, aufzustehen und sich die Zeit mit Lesen zu vertreiben, bis die Müdigkeit wieder ins Bett treibt.