„Wir wollten wissen, ob wir mit unserer Arbeit richtig liegen, was ankommt und was abgeht“, sagt Dechant Franz Haidinger zur Pfarrbefragung in Traunkirchen.
„Im Alltag der Pfarrarbeit kommt immer wieder einmal das Gefühl auf, dass man tun und anbieten kann, was man will, man erreicht immer wieder nur dieselben Leute. Oder, anders ausgedrückt, dass man die gewaschene Wäsche immer wieder einweicht“, meint Pfarrer Franz Haidinger. Deshalb wollte es der Pfarrgemeinderat in Traunkirchen genau wissen: Wie kommt unsere Arbeit bei wem an? Welche Angebote greifen und welche Bereiche übersehen wir? Mit einer Pfarrbefragung sollten der Iststand erhoben und Schwerpunkte für die Zukunft gefunden werden. „Als wir das Projekt gestartet haben, gab es zwar einige Erfahrungen aus anderen Pfarren, nicht aber die inzwischen erstellte, gut ausgearbeitete Arbeitsunterlage des Pastoralamtes. Wir haben daher den ausführlichen Fragebogen selber erstellt, nachdem wir uns vorher sehr eingehend überlegt hatten: Was wollen wir eigentlich wissen?“ erzählt Pfarrer Haidinger. Außenstehende Begleiter bescheinigen dem Traunkirchner Fragebogen eine sehr goße Offenheit für kritische Rückmeldungen, auch gegenüber der Arbeit des Pfarrers.
Nach einer entsprechenden Information der Pfarrbevölkerung wurden 1370 Fragebögen von den Pfarrblattverteilern ausgetragen. Der Rücklauf von nur 244 ausgefüllten Fragebögen war für ihn schon etwas enttäuschend, meint Franz Haidinger. „Das Echo der Leute, dass wir so etwas machen, dass wir zum Mitdenken und Mitentscheiden einladen, war durchaus positiv.“ Wenn man die Fragebögen wieder persönlich eingesammelt hätte, wäre der Rücklauf besser gewesen, meint Haidinger. „Aber darauf haben wir wegen der ganz sicheren Anonymität verzichtet.“
Nach der Auswertung wurden die Ergebnisse in einer Pfarrversammlung präsentiert und im Einzelnen in den folgenden Pfarrblättern aufbereitet. „Die Befragung brachte für mich selber und für viele Mitarbeiter eine überraschend große Bestätigung für unsere Arbeit. Insoweit war sie so etwas wie eine Motivationsinjektion. Wirklich Neues kam aber wenig zu Tage“, meint Pfarrer Haidinger nüchtern. In einer Klausurtagung des Pfarrgemeinderates wurden die Ergebnisse ausführlich diskutiert und auch einige konkrete Maßnahmen beschlossen.
ZUR SACHE
Guten Wind gemacht
„Gemeinden der Zukunft – Zukunft der Gemeinden“ ist das Thema der Österreichischen Pastoraltagung von 13. bis 15. Jänner. Für Dechant Franz Haidinger aus Traunkirchen haben jene Gemeinden Zukunft, wo – möglichst viele – Menschen bewusst aus einer persönlichen Gottesbeziehung heraus ihr Leben gestalten. Deshalb bedeutet für ihn Gemeindeentwicklung nicht nur, dass man mit einem Kreis von Mitarbeitern – in Traunkirchen sind das zehn Prozent der Pfarrbevölkerung! – eine gute Pfarrstruktur aufbaut und diese auch kritisch abtestet (siehe Beitrag nebenan); Gemeindeentwicklung heißt für Haidinger auch, den Menschen Türen zur inneren Erneuerung und zu einem bewussteren, tieferen Glauben zu öffnen. Er selber habe dabei mit Glaubensseminaren für kleine Gruppen, an denen bereits 150 Leute aus der Pfarre teilgenommen haben, gute Erfahrungen gemacht.Einen „guten Wind“ für die Glaubensvertiefung habe im letzten Jahr auch die Gemeindemission durch die Gemeinschaft Emmanuel gebracht. Rund 60 „Missionare/innen“ haben dabei in Altmünster und Traunkirchen innerhalb von zehn Tagen an einen Großteil der Haustüren geklopft. An die 70 Dorfabende und viele weitere Gesprächsrunden wurden angeboten, zahlreiche Gebetsstunden und liturgische Feiern. „Dabei“, so Haidinger, „wurden die Leute nicht von oben angepredigt, sondern in ihrem Leben abgeholt. Durch das Zeugnis der ,Missionare/innen‘ wurde ihnen Mut gemacht, auch ihre Lebensantennen wieder neu auf den barmherzigen und liebenden Gott einzustellen. Allein in unserer Pfarre haben sich zehn Gruppen gebildet, die weitermachen möchten.“