Die Politik bewegt sich im Spannungsfeld der Interessen und Meinungen
Ausgabe: 2000/02, Altenheim, Altenheime, Ackerl, Mayr, Politik
12.01.2000
- Ernst Gansinger
Die Fakten sind bekannt – alte Menschen und Menschen, die Pflege und Betreuung brauchen, werden mehr. Die Politik ist gefordert; sie stellt auch tatsächlich Weichen.
Damit beginnt der Streit. Welche Weichen? So geschehen bei der Frage nach der Zukunft des Sonnenhofes in Linz, den die Vinzenzgemeinschaft, ein der Kirche sehr naher Verein, führt.
Zunächst die Fakten: Innerhalb von 15 Jahren, von 1996 bis 2010 wird in Oberösterreich die Zahl der über 60-jährigen Menschen um etwa 44.000, von 257.000 auf 301.000 steigen. Die Zahl der über 80-jährigen Landsleute wird um etwa ein Viertel höher als heute sein; die Statistik rechnet für das Jahr 2010 mit 54.000 Menschen, die dieses Alter erreichen. Die Pflegebedürftigkeit wird zunehmen, gleichzeitig werden weniger Familien diese Aufgabe übernehmen können. Daher braucht es ein Bündel von Maßnahmen. Landesrat Josef Ackerl hat vor einiger Zeit Eckpfeiler seiner Politik für alte Menschen genannt: Sie sollen verschiedene Angebote in ihrer Nähe finden und so lange wie möglich zu Hause leben können; es sollen bis 2010 etwa 2000 betreute Wohnungen entstehen, Kurzzeitpflege und Tagesbetreuung werden ausgebaut. Gleichzeitig soll die Qualität der Seniorenheime gesteigert werden, das heißt u. a.: sie sollen kleiner werden. Die 1996 beschlossene Alten- und Pflegeheimverordnung des Landes OÖ erstellte die Vorgabe, die Größe solcher Heime mit 120 zu begrenzen. Bis 2005 läuft die Übergangsfrist für den Sonnenhof). Eine Reihe von Heimen ist/war ebenso betroffen.
Der Sonnenhof muss zusperren, wurde eine Gerücht vor Weihnachten gestreut. Wahr ist: Landesrat Ackerl will modernisieren, dezentralisieren und verkleinern. Er betont wie die Stadt Linz, die kirchliche Trägerschaft soll bleiben, man wünscht sich aber dafür die Caritas, sie habe hohe Professsionalität. Dir. Josef Mayr von der Caritas sagte am 10. Jänner nach einem Gespräch, an dem auch Vertreter der Vinzenzgemeinschaft teilnahmen, die Caritas sei zur Übernahme bereit, dränge aber keinesfalls darauf. Die Vinzenzgemeinschaft müsse dies deutlich wollen.
Karl Reisinger, Obmann des Trägervereins des Sonnenhofes – der Vinzenzgemeinschaft der Pfarre Hl. Familie in Linz – dazu: Wichtig ist uns, dass auf diesem Standort das Heim für 240 Plätze erhalten und im bisherigen Geist weitergeführt wird. Die Enttäuschung aber hört man ihm am Telefon an: Man wollte das Heim selber weiterführen und wusste sich im Besitz einer Zusage.
HINTERGRÜNDE
Vinzenzgemeinschaft
Die Vinzenzgemeinschaft der Pfarre Hl. Familie führt den Sonnenhof auf dem Standort am Fuße des Freinbergs in Linz seit 1954. Schon 1883 begann die Vinzenzgemeinschaft mit stationärer Pflege. Die Vinzenzgemeinschaft ist weltweit eine der größten caritativen Organisationen, die ausschließlich ehrenamtlich arbeiten.
Sonnenhof
Der Sonnenhof ist ein Pflegeheim; etwa 80% der Bewohner bedürfen intensiver Pflege. In letzter Zeit sank die Bettenzahl von 540 auf 400. Karl Reisinger, Obmann der Vinzenzgemeinschaft der Pfarre Hl. Familie, sagt, dass seit 1996 wegen eines Neubaues des Sonnenhofes verhandelt wurde. Die politische Zusage von 240 Betten sei im Dezember 1999 widerrufen worden.