F aschingssonntag, Fasnachtssonntag. Noch einmal bäumt sich die närrische Zeit auf, versucht uns in ihren Bann zu schlagen. Sie weiß: In wenigen Tagen wird sie der Fastenzeit weichen.
F aschingssonntag, Fasnachtssonntag. Weder die Liturgie noch die Lesungen, die wir im Wort-gottesdienst mit hoffentlich großer Aufmerksamkeit hören, können damit viel anfangen. Die Welt der Bibel und die Welt des Faschings sind eben Welten voneinander entfernt. Die biblischen Texte dieses Sonntags enthalten aber (göttliche) Aussagen, die gerade im derzeitigen „Abwehrkampf“ der Kirche gegen die hartnäckig schleichende Aushöhlung des Sonntags durch wirtschaftliche Interessen höchst aktuelle Bedeutung haben.
I n der 1. Lesung (siehe nebenstehende Seite) heißt es: „Achte auf den Sabbat: Halte ihn heilig, wie es dir der Herr, dein Gott, zur Pflicht gemacht hat.“ Man beachte: Diese Lesung gibt nicht irgendeine neben-sächliche Passage aus der Bibel wieder. Sie ist vielmehr Teil der Zehn Gebote. Die aber bilden gleichsam das „Zentrum“ des Alten Testaments und haben bleibende Bedeutung auch für uns Christen. Und:Das Gebot der Sabbat-Heiligung ist unter den Zehn Geboten jenes, das am ausführlichsten beschrieben und begründet wird. Ein Hinweis darauf, dass die Feier des Sabbats als Markenzeichen des Bundes Gottes mit dem Volk Israel immer wieder Gefahr lief, aufgegeben oder auf die leichte Schulter genommen zu werden.
D ass das Halten des Sabbats andererseits auch sinnlose Züge annehmen konnte, wird aus dem Sonntagsevangelium deutlich. Scharf gibt Jesus den pharisäischen Gesetzeshütern eine Abfuhr und beschämt sie geradezu: „Der Sabbat ist für denMenschen da, nicht der Mensch für den Sabbat.“
D as Markenzeichen des christlichen Glaubens ist nicht mehr der Sabbat, sondern der Sonntag. Die ersten Christen haben diesen Tag schon sehr rasch zu ihrem wöchentlichen Fest gemacht, weil Jesus Chris-tus am Tag nach dem Sabbat, also am Sonntag, auferstanden ist. Jesu Auferweckung hat die Erlösung besiegelt. Von Beginn an feiern wir Christen diese Besiegelung in der Eucharistie wieder und wieder. Der Sonntag ist unser wöchentliches Ostern.
W er bereit ist, all diese – und weitere – Zusammenhänge zu erwägen, wird leicht verstehen, dass der Sonntag für die Kirche ein Markenzeichen ist, um das es auch und gerade heute zu kämpfen gilt. Zum Wohl nicht nur der christlich Glaubenden selbst, sondern aller Menschen.