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Mosambik: So schlimm war es noch nie

Die Wernberger Schwester Maria Edith Raschke berichtet aus Maputo
Ausgabe: 2000/10, Mosambik, Raschke
08.03.2000
- Hans Baumgartner
Weite Teile von Mosambik werden von Wasserfluten ertränkt. „So schlimm war es noch nie! Eine verheerende Katastrophe für das Land und die Menschen“, berichtet Sr. Maria Edith Raschke aus Maputo im Telefonat mit der Kirchenzeitung.

Überschwemmungen gehören in Mosambik zum „normalen“ Ablauf des Jahres. Bei schweren Regenfällen überfluten der Limpopo und Sambesi das flach zum Meer hin abfallende Land immer wieder. „Aber so schlimm wie heuer war es seit Menschengedenken nicht“, sagt die Wernberger Missionsschwester Maria Edith Raschke. Seit 33 Jahren arbeitet sie in diesem ostafrikanischen Land und hat neben dem langen Bürgerkrieg auch manche Naturkatastrophen erlebt. „In der Hauptstadt Maputo sind die Fluten inzwischen wieder zurückgegangen, nur in einigen tiefergelegenen Elendsvierteln steht der Schlamm noch vor den Hütten. Die Gefahr aber ist noch nicht vorbei. Ein neuer Zyklon wird angekündigt und durch die Verschmutzung des Trinkwassers drohen Seuchen. Wenn das geschieht und die internationale Hilfe nicht rasch eintrifft, steht uns das Schlimmste noch bevor“, fürchtet Schwester Maria Edith. Sorge herrscht im Provinzhaus der Wernberger Schwestern in Maputo auch wegen der Mitschwestern, die in den Überschwemmungsgebieten südlich der Hauptstadt und in der Provinz Gaza arbeiten. „Wir wissen nur, dass sie mit einem Teil der Bevölkerung rechtzeitig aus dem Wasser herauskommen konnten. Da aber im Katastrophengebiet die meisten Verkehrs- und Telefonverbindungen zusammengebrochen sind, haben wir seit Tagen keinen Kontakt mehr zu ihnen. Auch Sr. Paulis Mohr in Mahelice erreichen wir nicht mehr. Diese Stadt in der Provinz Gaza liegt zwar etwas höher, so dass sie noch nicht überflutet ist. Es sind aber Tausende Flüchtlinge dorthin geströmt. Und nun haben wir gehört, dass die Straßen nach Malehice nicht mehr passierbar sind. Keiner kann sagen, wie lange es dort noch etwas zu essen gibt.“Die Lustenauerin Paulis Mohr ist seit über 40 Jahren in Mosambik. Gemeinsam mit der Caritas Vorarlberg baute sie die im Bürgerkrieg zerstörte Haushaltungsschule in Mahelice wieder auf. Mit ihrer Hilfe errichtete die Caritas auch ein Dorf für zurückkehrende Flüchtlinge in Massaca. Es wurde ebenso überflutet wie ein zweites von der Caritas betreutes Dorf. „Wir werden die Menschen nicht im Stich lassen und wieder von vorne anfangen“, sagt Martin Hagleitner-Huber von der Caritas Feldkirch. Ein Schicksal, das dem ganzen Land, das zu den ärmsten der Welt zählt und in dem es seit dem Bürgerkrieg erstmals wieder zaghaft bergauf ging, bevorsteht. Ein Caritasmitarbeiter aus Feldkirch ist bereits nach Mosambik gereist, um Hilfe vor Ort zu organisieren.


Kaum Hilfe und verlorene Ernte

Mosambik ist für Österreich ein Schwerpunktland staatlicher Entwicklungszusammenarbeit. 1999 wurden Projekte mit 50 Millionen Schilling gefördert. Christian Zeininger koordiniert die Entwicklungshilfe in Mosambik.Wie groß ist das Ausmaß der Flutkatastrophe?Zeininger: Insgesamt sind zwei Millionen Menschen betroffen, über 300.000 mussten flüchten. Nach wie vor sind viele auf kleinen Landstücken – wie auf Inseln – auf Rettung und Versorgung aus der Luft angewiesen. Alleine in der Provinz Sofala, wo ich lebe, haben 60.000 Menschen über Nacht ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Schwerste Unwetter haben bereits Anfang Februar die Region heimgesucht und zu einer nächtlichen Flutwelle entlang der Flussläufe geführt. Schon damals ist die internationale Hilfe nur zögerlich angelaufen. Aber erst der Wirbelsturm „Eline“ zog zwischen 21. und 22. Februar von Madagaskar kommend die Spur der Vernichtung über das Land. Mit ihm setzte eine nie dagewesene Flutkatastrophe ein.Was sind Ihrer Meinung nach die größten Probleme?Zeininger: Der Staat verfügt über keine Strukturen für Katastrophen. Das Militär hat kaum einsatzfähige Lkws, von Hubschraubern ganz zu schweigen. Die kommenden Tage werden gekennzeichnet sein von Trinkwassermangel und Seuchengefahr. Gleichzeitig werden neuerliche Regenfälle vorhergesagt. Wenn aber das Wasser zurückweicht steht vor allem die ländliche Bevölkerung vor einem Riesenproblem: Die Ernte ist vernichtet. Und auf Grund abnehmender Temperaturen ist in vielen Gegenden eine zweite Ernte kaum möglich.
Interview: Walter Achleitner
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