Ü berraschend kurz, klar, dynamisch, auf das Wesentliche konzentriert: So wirkt das Evange-lium, das wir am 1. Fastensonntag bei der Messfeier hören (vgl. nebenstehende Seite). Es wirkt wie eine interessante Kurzmeldung in der Zeitung, im Teletext, im Internet. Der Evangelist Markus würde heute für die Abfassung dieses Textes in jeder Journalisten-schule ein „hervorragend“ erhalten.
M arkus stammt nach altkirchlicher Überlieferung aus Jerusalem. Er ist der Sohn einer Maria, in deren Haus sich die Urgemeinde versammelt hat. Er wird Mitarbeiter des Petrus und später auch des Paulus. „Sein“ Evangelium schreibt er um 70 n. Chr. in Rom für Heiden und Heidenchristen. Er sammelt, was ihm über Jesus erzählt wurde, er schreibt also im Rückblick. Jesus ist bereits auferstanden. Pfingsten hat die Gemeinde gefestigt und die Jüngerinnen und Jünger zu unerschrockenen Zeugen gemacht.Markus weiß um die äußere und innere Dramatik des Lebens und Erlösungswerkes Jesu. Diese Dramatik wird schon am Anfang seines Evangeliums spürbar, mehr noch: Sie springt uns geradezu ins Gesicht. Jesus „geht“ nicht einfach in die Wüste, nein: der Geist treibt ihn an. Es ist derselbe Geist Gottes, der kurz vorher bei der Taufe im Jordan auf Jesus herabkam und ihn in Beschlag genommen hat. Und es ist derselbe Geist Gottes, der Jesus zum machtvollen Prediger und Heiler werden lässt.
D och zuvor gilt es für Jesus, sich zurückzunehmen, genau hinzuhören auf diesen Geist, der den Willen des Vaters kundtut. Jesus macht gleichsam intensive Exerzitien, vergewissert sich seiner Sendung. Er tut dies in der Wüste. Sie ist in der Bibel der Ort der inneren Sammlung, der Gottesbegegnung, der Läuterung, des Fallens und Aufstehens, des Meisterns von Versuchungen, der Vorbereitung auf Großes. Jesus ist im Clinch mit den „wilden Tieren“ (Markus meint damit Satan und die Dämonen). Gleichzeitig dienen ihm aber die Engel. Das bedeutet: Gott ist in dieser intensiven Zeit bei ihm.
U nd dann der große Paukenschlag. Markus fasst ganz dicht in zwei Sätzen zusammen, weshalb Jesus gelebt hat und gestorben und auferstanden ist: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ Zwei Sätze, die es wert sind, ein Leben lang betend zu bedenken.Das Evangelium des 1. Fastensonntags ist kurz. Sein Inhalt aber ist spirituell tief und dynamisch. Es ist wie eine Meereswoge, die uns die Fastenzeit hindurch tragen kann zum großen Halleluja der Auferstehung am Ostersonntag.