Kommentar von Ernst Gansinger und Hans Baumgartner
Ausgabe: 2000/11, Trend, Solidarität
16.03.2000
Gegen den Trend
Beim Bundeskongress der ÖVP am 10. März in Linz konnten die Teilnehmer/innen oft die Selbstbezeichnung „Christdemokraten“ hören. Die ÖVP setzt offensichtlich wieder stärker auf christlich „besetzte“ Worte. Bundeskanzler Schüssel sprach etwa von der Notwendigkeit zur Demut.Stellt sich eine Partei damit nicht gegen den Trend, weil das laute Bekenntnis zu christlichen Werten nicht in ist? Ein Signal aber ist es: Die Sehnsucht nach Werten ist groß.Für die Kirche ist es eine Herausforderung: Einerseits soll sie zu allen demokra-tischen Parteien hin gleich offen sein, andererseits muss sie Mut zur „Einseitigkeit“ haben, wenn es gilt, auf der Seite der Schwachen zu stehen. Nicht nur Christdemokraten haben da Bekenntnis-Versprechen einzulösen!
Ernst Gansinger
Magere Solidarität
Die österreichische Regierung will 15 Millionen Schilling für die Beseitigung der Flutschäden und den Wiederaufbau in Mosambik zur Verfügung stellen. Verglichen mit der Hilfsbereitschaft anderer europäischer Länder ein nicht gerade übertriebener Beitrag, wenn man bedenkt, dass Mosambik ein Schwerpunktland der österreichischen Entwicklungshilfe ist und zu den ärmsten Ländern der Welt gehört. Die Hilfe hat aber einen weiteren Haken: Der allergrößte Teil der Mittel soll aus dem Budget der in den letzten Monaten ohnedies stark gekürzten staatlichen Entwicklungshilfe kommen. Man nimmt den einen Armen weg, was man den anderen Armen gibt. Solidarität sieht anders aus!