Linzer Delegation besucht Rennes, Heimatstadt des Seligen Marcel Callo
Ausgabe: 2000/12, Callo, Marcel Callo, Rennes, Mauthausen, Aichern, KAJ
21.03.2000
- Matthäus Fellinger
Zum 55. Todestag des in Mauthausen ums Leben gekommenen Seligen Marcel Callo besuchte Diözesanbischof Maximilian Aichern mit einer Delegation dessen Heimat.
Das Haus trägt die Nummer 8 und liegt in der Rue de Tanneurs. Am 19. März 1943 hat der 22-jährige Marcel Callo hier Abschied genommen. Wenige Tage zuvor, am 8. März, war seine Schwester Madeleine bei einem Bombenangriff getötet worden. Wie jede Familie in den besetzten Gebieten mussten auch die Callos einen der Söhne für die Zwangs-arbeit in Deutschland stellen.
Der junge Aktivist der Katholischen Arbeiterjugend kam nach Zella-Mehlis in Thüringen, um dort in einer Pistolenfabrik zu arbeiten. Auf den Tag genau zwei Jahre später, am 19. März 1945, starb Marcel Callo im Konzentrationslager Mauthausen, völlig entkräftet und krank. Die Arbeit in den Stollen der Messerschmitt-Produktion in St. Georgen hatte, wie so vielen, auch ihm das Leben gekostet.
Es ist 19. März 2000, genau 55 Jahre nach Marcels Tod: In St. Aubin, der Taufkirche Marcel Callos , feiert ERrzbischof Francois Saint-Macary mit Gläubigen den Gedächtnisgottesdienst. Der Linzer Diözesanbischof Maximilian Aichern ist mit einer 15-köpfigen Gruppe nach Rennes gekommen. Die Pilger treffen die noch lebenden Geschwister Marcel Callos – zwei Brüder und vier Schwestern, ebenso Freunde des Seligen.
Roger Renoncet ist einer von ihnen. Er war Arbeitskollege Callos in einer Druckerei in Rennes. Er erinnert sich, wie Marcel oft das Brot mit seinen Kollegen teilte. Wo er hinkam, bemühte er sich, ein Stück Evangelium zu verwirklichen, indem er eine Gemeinschaft um sich versammelte. Im Gefängnis von Gotha in Thüringen war es auch so. Fernand Morin ist einer der vier Überlebenden einer Gruppe von zwölf jungen Menschen, die damals mit Marcel im Gefängnis waren. Sie standen einander bei und versuchten, Mitgefangenen Kraft aus dem Evangeliums zu schenken. „Ohne Geräusch verschwanden sie, einer nach dem anderen“, erzählt Morin, noch immer bewegt von der Erinnerung.
Ein Vorbild für heute
Die schlimmen Erfahrungen haben die Freunde Marcel Callos geprägt. Doch sie haben sie nicht verbittert. Marcel Callo war ein fröhlicher, dem Leben zugewandter Mensch. Diese Art Fröhlichkeit ist in die Gesichter seiner Freunde von heute geschrieben. Mit der Hand in der Hosentasche ist Marcel Callo auf dem offiziellen Bild zu seiner Seligsprechung dargestellt. Einige in Rom soll das schockiert haben. Heute hängt das Bild in der Taufkirche.„Ein Vorbild, damit wir die Zeichen der Zeit erkennen“ sieht Bischof Aichern in Marcel Callo. So sagte er es im von Erzbischof Francois Saint-Macary geleiteten Festgottesdienst.Einen Nachmittag und eine Nacht lang dauert die Reise zurück nach Linz. Für Marcel Callo hat sie zwei Jahre gedauert. Am Ende starb er – und dennoch ist er lebendig.
ZUR PERSON
Marcel Callo
Marcel Callo wurde am 26. Dezember 1921 in Rennes geboren. Mit zwölf Jahren trat er bei den Pfadfindern bei, 1936 wurde er aktives Mitglied bei der französischen katholischen Arbeiterbewegung. Als der junge Drucker und Setzer Zwangsarbeit einberufen wurde, sah er auch darin eine Chance, als „Missionar“ zu wirken. Weil er „zu katholisch“ war, wurde er am 19. April 1944 verhaftet und kam ins Gefängnis nach Gotha. Ohne Gerichtsurteil wurde er im September 1944 ins Lager Flossenbürg überstellt, im Oktober kam er nach Mauthausen. Im Nebenlager Gusen schuftete er für die Messerschmitt-Produktion. Völlig entkräftet starb er am 19. März 1945. Am 4. Oktober 1987 hat Papst Johannes Paul II. Marcel Callo selig gesprochen. Bei seinem Besuch in Mauthausen 1998 betete er: „Hilf uns, Egoismus, Intoleranz und Gewalt zwischen sozialen, politischen und religiösen Gruppierungen zu überwinden. Schenke uns den Geist der Versöhnung. Seliger Marcel Callo, bitte für uns!“