Ein konkretes Beispiel – die Augen nach innen und außen offen halten
Ausgabe: 2000/12, Fasten, Gamsjäger
22.03.2000
- Maria Haunschmidt
Sr. Annemarie Gamsjäger von der Hospizbewegung in Linz fastet in einem umfassenden Sinn. Sie öffnet die Augen nach innen und außen und „konsumiert“ geistig.
Schwester Annemarie vom Orden der Missionarinnen Christi fastet in einem umfassenden Sinn das ganze Jahr über, indem sie ständig bewusst einfach isst, etwa auf Fleisch verzichtet. Sie kauft auch sehr überlegt ein, und sieht sich die guten Sachen zwar gern an, findet dann aber, dass ein gutes Stück Brot das Edlere ist. Die Fastenzeit selbst ist für sie eine geistige Zeit des Konsumierens, eine stille Zeit zusätzlich. Dabei geht sie in zweierlei Schritten vor.
– Die Augen nach innen öffnen: Täglich nimmt sie sich eine halbe Stunde zusätzlich zum Üblichen Zeit, Stille auf sich einwirken zu lassen, ohne Lesen, ohne Radio, ohne Fernsehen. Sie sitzt einfach da und öffnet die Augen nach innen, hört in sich, setzt sich dem Inneren aus. Das kann Ruhe, aber auch große Unruhe bedeuten, auf die sie „hinhört“.
– Die Augen nach außen öffnen: Sr. Annemarie öffnet andererseits auch die Augen nach außen, das heißt, sie wendet sich anderen zu. Sie ist zum Beispiel beim Spazierengehen offen für ein Lächeln, eine Frage, ein Gespräch und nimmt andere bewusst wahr, indem „sie der Seele einen Blick gibt“, wie sie es ausdrückt. Dadurch erlebt sie oft, dass Menschen plötzlich zurücklächeln und sich freuen in der Erkenntnis: „Da hat mich jemand angenommen, mich gemeint!“ Schwester Annemarie: „Ich suche die Präsenz Gottes in jedem Mitmenschen, indem ich mir die Mitmenschen vertraut mache.“Die Menschen begegnen auch ihr dann mit mehr Offenheit, ja Vertrauen.
Sr. Annemarie Gamsjäger vom Orden der Missionarinnen Christi (MC) ist Mitarbeiterin bei der Hospizbewegung.