D ie Heilige Schrift und unser christlicher Glaube enthalten wohlschmeckend-aufbauende Kost, sie muten uns aber auch herbe, schwer verdauliche Kost zu. Es ist eine Kost, die nicht nur den „Juden und Heiden“ zur Zeit Jesu als „empörendes Ärgernis“ oder „Torheit“ erschien (siehe 2. Lesung), sondern auch uns Christen heute Einiges „zum Schlucken“ aufgibt. Dies entdecken wir vor allem, wenn wir unser Leben bewusst in die Nachfolge Jesu stellen wollen. Das aber erfordert, uns von seiner Botschaft durchtränken und in die Pflicht nehmen zu lassen, auch wenn dies hart erscheint. Die Fastenzeit lädt dazu ein, unser persönliches Bild von Gott unter die Lupe zu nehmen.
D ie erste Lesung stellt uns die Zehn Gebote vor Augen. Sie sind die bleibend gültigen Wegweiser und Leitschienen auf der Straße des Lebens mit Gott und den Mitmenschen. Gott ruft sich selbst als eifernder Gott in Erinnerung: „Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott.“ Er duldet niemanden, der sich an seine Stelle setzt. Eifersüchtig wacht er darüber, dass die Israeliten – und auch wir – nicht abrutschen in Götzenverehrung und Missbrauch seines Namens. Er, und nur er, ist Gott. Er übersteigt letztlich alles, was wir uns vorstellen können.
„Du sollst dir kein Gottesbild machen.“ Gott wehrt sich gleichsam, in ein menschliches Denkschema gepresst zu werden. Das bedeutet, dass wir uns ständig bewusst sein müssen: Alles Reden von Gott, alle Eigenschaften, die ihn kennzeichnen, alles Denken über Gott, ja alles Beten ist nur ein Annähern. Wir können Gott nie fassen, nie ihn begreifen. Die beste innere Haltung, Gott gegenüber zu treten ist die des Hörens, des Staunens, der Dankbarkeit.
D as Evangelium führt uns ebenfalls einen Eiferer vor Augen: den eifernden Jesus. Er hält es einfach nicht aus, dass die Händler und Geldwechsler das „Haus meines Vater“ zu einer „Markthalle“ umfunktionieren. Jesus wird zornig, macht eine Geißel und treibt Mensch und Vieh aus dem Tempel hinaus … Und die Jünger erinnern sich an das Schriftwort: „Der Eifer für dein Haus verzehrt mich.“
Der eifernde Jesus. Es ist schwer zu verstehen, dass Jesus geradezu gewalttätig auftritt. Und das gegen harmlose Menschen, die eine für den Tempelkult unverzichtbare Funktion erfüllten: das Umwechseln ins Tempelgeld und den Verkauf von Opfertieren. Diese Stelle des Johannesevangeliums kann uns aber den Sinn schärfen. Und zwar für fromm erscheinende Verhaltensweisen, die einen entscheidenden Fehler haben: Sie stellen nicht die Ehre Gottes, sondern den eigenen Verdienst in den Mittelpunkt des Strebens.
Franz Stocker ist Redakteur der KIRCHE, Sonntagszeitung der Diözese Innsbruck