Film über ermordeten Erzbischof wurde erstmals in El Salvador gezeigt
Ausgabe: 2000/12, Romero, Erzbischof, El Salvador,
22.03.2000
- Walter Achleitner
Die Seligsprechung des vor 20 Jahren am Altar ermordeten Erzbischofs von San Salvador wird behindert. Auch in der Kirche wird versucht, die prophetische Stimme, die zur Stimme der Armen wurde, zu entschärfen.
Am vergangenen Sonntag war es endlich so weit. Elf Jahre nach der Premiere von „Romero“ durfte der Film erstmals auch in El Salvador öffentlich gezeigt werden. Raul Julia, er spielt den am Altar ermordeten Erzbischof, hatte zwar schon zum 15. Todestag vor fünf Jahren den Kinostreifen in das zentralamerikanische Land gebracht. Das Innenministerium jedoch untersagte jegliche Vorführung mit der Begründung: der Film störe den inneren Frieden des Landes. Seine besondere Brisanz erfährt der filmische Nachruf auf das Leben Oscar Romeros dadurch, dass die handelnden Personen nicht frei erfunden und Ähnlichkeiten beabsichtigt sind.
Keine rasche Seligsprechung
Zwar ist Roberto D’Aubuisson, der für die Ermordung Romeros verantwortlich ist, 1990 gestorben. Doch der Gründer der Arena-Partei wird von seinen Anhängern als „wahrer Patriot verehrt“; aus den Reihen der Arena kommt auch der gegenwärtige Staatspräsident. Und neben weiteren Hintermännern, die den Mord in die Wege geleitet haben, leben noch viele, die auf die Nachricht vom Tod des Erzbischofs mit Champagner angestoßen haben. „Ein seliger Romero wäre ihnen ein Dorn im Auge“, meint P. Martin Maier. Der Jesuit lebte mehrere Jahre in El Salvador und gilt als Experte in Sachen Romero. Aber nicht nur die Oberschicht und politische Gruppen in El Salvador haben kein Interesse an einem seligen Oscar Romero. Auch innerkirchlich gibt es Widerstand. Noch 1990, bei der Eröffnung des Verfahrens zur Seligsprechung auf diözesaner Ebene, hoffte Ricardo Urioste, unter Romero als Generalvikar zweiter Mann in der Diözese, bis zum Jahr 2000 auf einen positiv Abschluss des Verfahren. Seit vier Jahren liegen die Akten nun im Vatikan, und dort „sitzen heute noch Gegner Romeros an einflussreichen Stellen. Inzwischen wurden neue Hindernisse in den Weg gelegt“, berichtet P. Maier. Und Urioste, der mittlerweile die „Stiftung Monseñor Romero“ in San Salvador leitet, gibt sich nüchtern: „Das kann noch mindestens 20 Jahre dauern.“Doch auch die zehn Bischöfe des Landes sind sich uneins im Urteil über das „Wunder Romero“. Als sie 1996 von Papst Johannes Paul bei dessen Besuch in San Salvador gefragt wurden, wie sie über die mögliche Seligsprechung denken würden, antwortete Marco Revelo, der Romero zu Lebzeiten bekämpft hatte: „Er ist für den Tod von 70.000 Menschen verantwortlich.“ Ebenso ist kein Geheimnis, dass die Beziehungen zwischen Regierung und Kirche in den vergangenen 23 Jahren nie so gut waren wie unter dem gegenwärtigen Erzbischof der Hauptstadt, Fernando Sáenz Lacalle.
Verbogenes Romero-Bild
„Nur darin betseht Übereinstimmung, dass Romero eine außerordentliche Gestalt der Kirche war“, analysiert P. Maier das innerkirchliche Romero-Bild. „Es gibt starke Versuche, die Erinnerung an den vor 20 Jahren Ermordeten zu verbiegen. Es wird versucht, ihn als etwas naiven Menschen darzustellen, der sich von bestimmten kirchlichen und politischen Gruppen hat manipulieren lassen.“Dass „Canal 33“ nun den Film „Romero“ erstmals in El Salvador ausgestrahlt hat, gilt daher als Sensation. Denn jeder zweite Salvadoreño ist jünger als 20. Und so eindrücklich, wie Raul Julia im Film, hat ihnen noch kaum jemand von dem Mann erzählt, den das Volk als „Märtyrer und Heiligen“ verehrt.
„Wenn sie mich töten, werde ich im Volk von El Salvador auferstehen.“Oscar Romero
ZUR SACHE
Aus Gesprächen mit mehr als 200 Menschen von etwa 1000 Stunden Dauer hat Maria Lopez Vigil wohl die bisher beeindruckendsten „Biographie“ von Oscar Romero zusammengetragen.
César Jerez erinnert sich an ein Gespräch 1977 in Rom: „Monseñor, Sie haben sich geändert. Was ist geschehen?“ „Schauen Sie, Padre Jerez, ich selbst habe mir diese Frage schon im Gebet gestellt.“ „Und haben Sie eine Antwort gefunden?“ „Eine gewisse, ja. Ein Mensch hat seine Wurzeln. Ich bin in einer sehr armen Familie geboren. Ich habe Hunger gelitten, ich weiß, was es heißt, von klein auf zu arbeiten. Als ich ins Seminar eintrat, meine Studien begann und man mir sagte, ich solle sie hier in Rom beenden, habe ich Jahr um Jahr zwischen Büchern verbracht. Ich habe meine Herkunft ganz vergessen. Ich habe mir eine ganz andere Welt geschaffen. Danach bin ich nach El Salvador zurückgekommen, und man hat mich zum Sekretär des Bischofs von San Miguel gemacht. 23 Jahre lang war ich wieder in Papierkram versunken. Als ich Weihbischof von San Salvador wurde, fiel ich dem Opus Dei in die Hände! Dann schickten sie mich nach Santiago de María, und dort stieß ich wieder auf das Elend. Sie wissen ja, Kohle, die einmal Glut gewesen ist, fängt beim kleinsten Windhauch wieder Feuer. Und es war ja nicht gerade wenig, was da in der Sache mit Pater Grande passiert ist. Sie wissen, dass ich ihn sehr gemocht habe. Als ich den toten Rutilio ansah, dachte ich: Wenn sie ihn für das umgebracht haben, was er getan hat, dann muß ich denselben Weg gehen wie er. Ich habe mich geändert, ja. Aber ich bin auch zurückgekehrt.“
Maria Lopez Vigil, Oscar Romero. Ein Porträt aus tausend Bildern. Edition Exodus 1999, 285 Schilling.