Immer mehr Pfarren müssen ihr Leben ohne „eigenen“ Pfarrer organisieren. Um den Sonntagsgottesdienst zu sichern, bildet die Diözese Wortgottesdienstleiter/innen aus.
Seit zehn Jahren bietet die Diözese Kurse zur Leitung von Wortgottesdiensten an. Etwa 400 Personen sind inzwischen als Wortgottesdienstleiter oder -leiterin in ihrer Pfarre tätig. Sie sind von der Pfarrleitung – Pfarrgemeinderat und/oder Pfarrer – ausgesucht worden. „Im wesentlichen geht es um die Sorge der Pfarren, auch in Zeiten des Umbruchs eine qualitätvolle Feier der Liturgie, besonders am Sonntag, zu sichern“, so Johann Stockhammer vom Referat für Liturgie der Diözese. „Der Gottesdienst als Kern dessen, was eine christliche Gemeinde auszeichnet, soll weiterhin am Ort möglich sein. So soll auch aufrecht bleiben, dass die Leute gern hingehen und bereichert für ihr Leben wieder hinausgehen.“ Der Mangel an hauptamtlichem Personal soll das nicht verhindern.
„Eisbrecher“
Für Johann Stockhammer sind die Absolventen und Absolventinnen des Kurses „Eisbrecher“ für „Zeiten, in denen man diese Leute viel mehr brauchen wird.“ Die Kursteilnehmer/innen selbst haben oft Sorge, dass sie die Bevölkerung nicht akzeptieren würde.
Engagement loben
Die Erfahrungen zeigen auch, dass Wortgottesdienstleiter/innen oft überfordert sind. Meistens sind sie ohnehin sehr engagiert in Pfarre, Familie und Beruf.Das Anliegen von Stockhammer: „Man sollte diese Leute, die bereit sind, wesentliche Dinge für die Gemeinde zu übernehmen, stützen.“ Die Pfarrleitung soll ausdrücken, dass sie sich freut, wenn sich Leute auf diesen Dienst einlassen, etwa, in dem man sie im Pfarrblatt erwähnt. Die eigentliche Ausbildung würde nämlich nicht im Kurs, sondern im Sammeln von Erfahrungen in der Pfarre passieren. Die Situationen der Pfarren der Teilnehmer/innen sind sehr verschieden. Beim zuletzt abgeschlossenen Kurs etwa war eine Pfarre vertreten, in der Laien regelmäßig für den kranken Pfarrer „einspringen“ mussten.
Unterschiedliche Pfarren
Eine andere Pfarre kann in einer Seelsorgestelle nur sehr früh einen Sonntagsgottesdienst feiern. Für die vielen jungen Familien dort gibt es monatlich eine Familien-Wortgottesdienstfeier. Zwei andere Pfarren „teilen“ sich einen Priester, sie wechseln Sonntag für Sonntag Messfeier und Wortgottesdienstfeier ab. Johann Stockinger richtet den Appell an die Priester, diese Leute bewusst zu „nutzen“. Nur so könnte sich auch die Pfarrgemeinde an sie gewöhnen. Vor allem Frauen (sie sind 60 Prozent der Kursteilnehmer/-innen) fürchten oft, als Wortgottesdienstleiterinnen nicht akzeptiert zu werden. Die Teilnahme am Kurs ist verpflichtend, um die Hauptgottesdienst-Feier am Sonntag leiten zu dürfen. Die Pfarren müssen dafür um eine Beauftragung beim Bischof ansuchen.
Ein neuer Kurs beginnt im Herbst 2000. Anfragen beantwortet Johann Stockhammer gern: Tel. 0732/7610-3120.