Babyklappe, anonyme Geburt und Notruf-Hotline: Ab sofort gibt es in der Steiermark dieses Auffangnetz für Mütter und Neugeborene in extremen Notlagen. Die Caritas war als „Hebamme“ tätig.
Am Freitag vergangener Woche präsentierte die Steiermark als erstes Bundesland ein umfassendes Paket an Maßnahmen, mit dem Frauen und Neugeborenen in extremen Notlagen geholfen werden soll. Erarbeitet wurde dieses Konzept im Auftrag von Landeshauptfrau Waltraud Klasnic von der Caritas. „Auch wenn sich das viele nicht vorstellen können, aber es gibt Situationen, in denen Frauen aus psychischen, sozialen oder familiären Gründen eine Schwangerschaft verheimlichen oder gar verdrängen. Rund um die Geburt wird für sie die Lage oft aussichtslos und Panikreaktionen folgen“, sagt Yvonne Oswald von der Caritas Graz. Erst in den letzten Monaten berichteten die Medien von Kindesweglegungen, getöteten Neugeborenen und einer fast verbluteten Frau nach einer heimlichen Geburt.
Hotline der Hoffnung
„Die Errichtung einer Babyklappe, wie es sie in einigen Städten bereist gibt, erschien uns zu wenig, um den Frauen und Babys wirksam zu helfen, betont Oswald. „In unserem Konzept ist sie nur ein Teil eines umfassenden Angebotes. Wir sind froh, das im Land das auch so gesehen und ein Großteil unserer Vorschläge umgesetzt wird.“ Konkret wird es in der Steiermark neben der Babyklappe an der Grazer Kinderklinik in allen Spitälern mit Geburtsstationen die Möglichkeit der anonymen Geburt (s. Lexikon) geben. Außerdem wird eine Telefonhotline für Frauen in extremen Schwangerschaftssituationen eingerichtet. Dort erhalten sie alle Informationen über die anonyme Geburt und andere Hilfsangebote. Über diese Hotline können sich auch jene Frauen melden, die innerhalb von ach Wochen ihr Baby zurückhaben möchten. In der Öffentlichkeit „beworben“ werden weder Babyklappe noch die anonyme Geburt, sondern ausschließlich die Hotline, die Frauen weiterhilft. „Für uns ist diese Hotline ganz entscheidend, da sie die Chance bietet, die verzweifelten Frauen im Vorfeld zu erreichen und ihnen verschiedene Lösungen anzubieten“, meint Yvonne Oswald. Nicht umgesetzt aus dem Caritas-Maßnahmenpaket wird vorerst die anonyme Unterbringung von Frauen vor und nach der Geburt (in Deutschland bewährt) und die Errichtung eines Finanzierungsfonds. Oswald hofft, dass Notwendigkeiten, die sich in der Praxis ergeben, dann auch nachjustiert werden.
Rechtsfragen geklärt
Die rechtlichen Probleme rund um Babyklappe und anonyme Geburt sind weitgehend geklärt. Bereits im Jänner beschloss der Nationalrat, dass Mütter, die ihr Kind an einem Ort zurücklassen, wo es voll versorgt ist, nicht mehr ausgeforscht und bestraft werden. Demnächst wird ein zwischen Justiz-, Sozial- und Innenministerium abgestimmter Erlass ergehen, der die Registrierpflicht regelt und den Jugendwohlfahrtsbehörden die Sachwalterschaft für die betroffenen Kinder überträgt. Sie regeln dann auch nach Ablauf derachtwöchigen Bedenkfrist der Mütter die weitere Versorgung der Babys (Adoption etc.). Offen sei derzeit noch, so Gudrun Stöger vom Justizministerium, wer die Kosten der anonymen Geburt und die Betreuung der Babys trägt. Zunächst werden das wohl die Spitalserhalter tun.
Lexikon:
Babyklappen sind an Spitals(Klöster-, etc.)wänden angebrachte Vorrichtungen, in die Mütter anonym Neugeborene legen können (dz. u. a. Kinderspital Linz, Krankenhaus Ried). Sie sind meist mit Klingel und Gegensprechanlagen ausgestattet. Die Mütter erhalten dort auch schriftliche Informationen. Eine Sonderform sind Babynester, wo Frauen ihr Kind völlig anonym, aber persönlich einer Betreuungsperson übergeben können.
Anonyme Geburt ist die Möglichkeit, ohne Angabe des Namens und der Versicherungsdaten in einem Spital ein Kind zu gebären. Dadurch wird das gesundheitliche Risiko für Frau und Kind minimiert.