Wenn oft auch das Wissen um ihre Errichtung in Vergessenheit geraten ist, begleiten sie uns auf unseren täglichen Wegen: nicht die großen Kunstwerke, sondern Klein- und Flurdenkmäler.
Wie selbstverständlich nehmen wir sie wahr – das Wissen um ihre Entstehung ist oft über Generationen hinweg verblichen. Immer noch haben diese Kleindenkmäler ihren Charakter als Andachtsstätte erhalten, seien sie zum Gedenken an ein Unglück oder als Dank und Bitte errichtet. Bitten, Gebete oder fromme Versprechen haben Gestalt. Auch Wallfahrer/innen orientierten sich an Bildstöcken: als Wegmale, Rastpunkte oder Andachtsstationen auf dem oft langen und beschwerlichen Pilgerweg.Den unterschiedlichen Typen, Hof-, Feld- oder Flurkapellen, aus Stein gemeißelte Bildstöcke, Marterl, Kreuzesdarstellungen in Form von Wegkreuz oder Wetterkreuz und viele mehr, begegnen wir auf den täglichen Wegen. Die unterschiedlichen Bezeichnungen beziehen sich meist auf den Anlass ihrer Errichtung und ihre Gestaltung.Im Unterschied zu Kirchen und Kapellen sind sie nicht geweiht, sondern nur gesegnet. Sie können daher nur der privaten Andacht dienen. Die Hof-, Feld- und Flurkapellen unterscheiden sich von Kapellenbildstöcken durch ihren Innenraum. Die Gläubigen können eintreten, oft sind auch Betstühle zur Andacht aufgestellt. Kapellenbildstöcke werden oft als „Kapellen“ bezeichnet, sie bilden im Inneren jedoch nur eine flache Nische aus, die sich in vielen Fällen hinter einem Gitter verbirgt.
Kreuze als Schutzzeichen
Kreuze als Inbegriff des christlichen Glaubens begegnen uns an Wegen, als Feldkreuze oder Wetterkreuze bis hinauf in die Gipfel unserer Berge als Gipfelkreuze.Die Darstellung des Gekreuzigten steht eng mit dem Tod in Verbindung. Oft wurden sie daher als Erinnerung am Ort eines Unglücks errichtet. Gleichzeitig stellen Kreuze auf Feldern oder am Wegesrand Schutzzeichen dar. Die Frucht des Bodens soll vor Hagel und Unwetter verschont werden. Wetterkreuze haben oft einen doppelten Querbalken gekennzeichnet und erreichen nicht selten überdimensionale Größe.Bei den sogenannten Arma-Christi-Kreuzen werden auf die Kreuzbalken die Zeichen für das Martyrium Christi aufgesetzt, der Corpus selbst fehlt. Oft findet man auf den Holzkreuzen an Stelle des hölzernen Corpus ein bemaltes Blechschnittkreuz, das auch durch die Assistenzfiguren Maria und Johannes erweitert ist. Die ältesten erhaltenen Formen des Kreuzes sind die steinernen Sühne- oder Pestkreuze. Sie sind Zeugen längst vergangener Jahrhunderte und Rechtsbräuche.Sie erinnern an den Ort eines Mordes. Neben dem Wergeld für die Hinterbliebenen, guten Taten für die Allgemeinheit und Pilgerfahrten musste der Mörder ein Kreuz als Mahnmal für seine schändliche Tat am Ort des Verbrechens oder in dessen Nähe aufstellen. Mit der Erfüllung dieser Aufgaben war der Täter frei von der weltlichen Rechtsprechung. Das Kreuz war Mahnmal und steinerne Fürbitte zur Rettung des Toten aus dem Fegefeuer. Aus den Sühnekreuzen sind seit dem 17. Jahrhundert die so genannten Marterl entstanden. Genau genommen sind als Marterl nur Denkmäler zu bezeichnen, die dort errichtet wurden, wo der Tod jäh und unerwartet zugeschlagen hat. Die angebrachte Tafel erinnert oft mit einer bildlichen Darstellung an das Unglück und enthält die Bitte um das Gebet für den Verstorbenen, dem durch seinen plötzlichen Tod eine „gute Sterbestunde“ und der priesterliche Segen versagt waren.In Folge der Säkularisation und der Aufklärung wurden viele Marterl entfernt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts jedoch kam es wieder zu einer regelrechten „Marterlschwemme“. Bei den Marterln, die an Unglücksorten errichtet werden, haben sich nur die Orte verändert. Die Gedenkkreuze sind Kleindenkmäler für die Opfer der Technisierung und oft auch der Leichtfertigkeit im Umgang damit.