Das Gedenken an die Opfer von Stalinismus und Nationalsozialismus, das Bemühen um ein neues Miteinander der Kirchen und der Aufruf, am Aufbau einer gerechten und demokratischen Gesellschaft mitzuarbeiten, standen im Mittelpunkt der Papstreise in die Ukraine vom 23. bis 27. Juni.
Die Reise des Papstes könnte die Tür im orthodox-katholischen Dialog endgültig zuschlagen, ließ der russisch-orthodoxe Patriarch von Moskau, Aleksij II., über das Fernsehen verlauten, als Johannes Paul II. bereits ukrainischen Boden betreten hatte. Der Papst ließ sich von dieser brüsken Botschaft nicht irritieren. Wie ein roter Faden zog sich sein Werben um ein friedliches Miteinander der Kirchen, um Dialog zur Bereinigung offener Fragen und Zusammenarbeit der Kirchen und Religionen beim Aufbau einer neuen Gesellschaft durch seine Ansprachen. Schon in seiner ersten Rede distanzierte sich Johannes Paul II. ausdrücklich von allen Formen des gegenseitigen Abwerbens von Gläubigen (Proselytismus). Zugleich entschuldigte er sich bei den orthodoxen Glaubensbrüdern für Verfehlungen der katholischen Kirche und nahm dabei auch Bezug auf Ereignisse der jüngeren Geschichte, in der es im Streit um Gotteshäuser sogar zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen war. Der Papst verwies aber auch auf das Leid der griechisch-unierten Kirche, die 1946 unter stalinistischem Druck der Orthodoxie eingeliedert wurde und von da an nur im Untergrund mit vielen Opfern weiterleben konnte. Bei einer ökumenischen Begegnung rief der Papst zu einem offenen, loyalen und geduldigen Dialog auf.
SPLITTER
Priorität.
Bei einem Treffen mit den Bischöfen hat Papst Johannes Paul II. die Katholiken des lateinischen und des byzantinischen Ritus in der Ukraine zu vertiefter Gemeinschaft untereinander und zu einer engeren Zusammenarbeit mit den Orthodoxen aufgerufen. „Der ökumenische Dialog muss für die Gläubigen und die Kirchen in der Ukraine eine Priorität haben. Davon hängt die Wirksamkeit der Evangelisierung ab“, sagte der Papst.
Verständnis.
Der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow wüschte sich anlässlich des Papstbesuches in der Ukraine ein besseres Verständnis zwischen katholischer und russisch-orthodoxer Kirche. Er hoffe auf eine Annäherung, meinte Gorbatschow und würdigte das Engagement des Papstes gegen Krieg, Armut und Ausbeutung.
Gabe.
Beim „Opfergang“ der Messe auf dem Kiewer Flugfeld übergaben Gläubige dem Papst auch ein handgeschriebenes Gebetbuch aus der Verfolgungszeit. Es hatte Priestern und Gläubigen während der kommunistischen Unterdrückung als Messbuch gedient.