Als Ausdruck einer „nihilistischen Weltanschauung“ bezeichnete die St. Pöltner Kirchenzeitung im Jahr 1971 Wolfgang Teuschls Übersetzung des Neuen Testaments in den Wiener Dialekt. Der Kritiker der Presse wollte mit Karl Kraus „weinend in den Wald laufen“, der Bibelwissenschaftler Wolfgang Beilner allerdings sah darin „einen gelungenen Versuch, die Bibel zum Reden zu bringen“ und die Patres im Kremsmünsterer Stiftsgymna-sium erklärten das Buch zur Pflichtlektüre für die Oberstufe.Die Kontroversen haben sich gelegt. Heute ist das Buch ein Klassiker von Rang. 30 Jahre nach dem ersten Erscheinen liegt nun eine erweiterte Neuauflage vor.Kaum jemand wird heute bestreiten, dass es sehr erhellend sein kann, altbekannte und oft gehörte Bibelworte einmal aus ihrem starren Korsett zu lösen und in einer ungewohnten Sprache zu hören. Das ist Wolfgang Teuschl hervorragend gelungen. Längst nicht alles muss einem gefallen. Manches würde man selber ganz anders sagen, weil man es anders versteht als der Autor. Manches findet man ganz einfach lustig – und das ist sogar bei biblischen Texten erlaubt. Ein Denkanstoß ist das Buch immer noch.
Eine sehr wertvolle Bereicherung – und zudem ein Hörgenuss, besonders für jene Leser, die nicht im Wiener Dialekt aufgewachsen sind – ist die dem Buch beigeschlossene CD, auf der Willi Resetarits einige Passagen liest. Erweitert ist die Neuauflage auch um ein kleines Dialektlexikon, die Chronik der damaligen Kontroversen um das Buch, die Laudatio von Hans Weigel aus dem Jahr 1981 und eine kurze Geschichte der Anfänge des Christentums.
Wolfgang Teuschl: Da Jesus & seine Hawara. Das Neue Testament im Wiener Dialekt. Jubiläums-Edition mit CD. Buchverlag Karl Schwarzer, Purkersdorf, 272 Seiten, S 398,–.