Kann dieses Evangelium so noch gelten? Oder müssen wir es für uns, die wir in der Verkündigung unterwegs sind, neu übersetzen? Wir Religionslehrer, wir als Mütter und Väter, die Priester … alle, die das Reich Gottes verkünden in Wort und Tat, sind in diesem Evangelium angesprochen. Übersetzen wir diese Frohe Botschaft für uns, damit wir sie tatsächlich heute noch umsetzen können.
Ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe!“ Damals schon beschrieb Jesus die Wehrlosigkeit derer, die verkünden. Der Evangelist betont Jesu Vorstellung von Gewaltlosigkeit. Wer sind heute die „Wölfe“, denen wir in der Verkündigung begegnen: Gleichgültigkeit, Ablehnung, Überlastung, Sattheit durch Konsum, Individualismus … Doch nicht mit Gewalt, mit gewaltvollen Methoden können wir Menschen überzeugen … nein, eben wie Schafe, wehrlos, gewaltlos, aber beharrlich überzeugend.
Nehmt keinen Vorratsbeutel mit und keine Schuhe! Grüßt niemand unterwegs.“ Da rät Jesus, Armut und Bedürfnislosigkeit deutlich zu machen; ja, nicht einmal Schuhe, die damals in Galiläa unentbehrlich waren, sollten sie mitnehmen. Auch von den üblichen wortreichen und ausführlichen Begrüßungen sollen sie sich nicht aufhalten lassen, denn ihre Aufgabe ist eilig, duldet keine Verzögerung. Wie können wir das für uns heute verstehen? Wie sehr sind wir als Religionslehrer, Priester, Eltern … heute herausgefordert: unsere Gesellschaft und Wirtschaft, die Menschen überflutet, Medien aller Art, die „vollstopfen“. Da wird mir bewusst – auch als Relgionslehrerin –, wie sehr wir diesen Kontrast schaffen müssen: Weniger ist mehr. Ein Beispiel dazu: Oft genügt ein Bild in der Mitte, um zur Ruhe, zum Thema zu kommen. Das einfache Licht einer Kerze, das vorgelesene Buch, die dazu gezeigten Bilder, ein gemaltes Labyrinth im Vorhof des Hauses …
Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus.“ Was war damals und kann heute die Grundbotschaft sein, die wir verkünden: Friede, Friede diesem Haus, Friede dort, wo Menschen leben. Klar deutet Jesus an, dass es wichtig ist, diesen Frieden, diese Frohe Botschaft nicht aufzudrücken. Können wir heute mit dem Gruß „Friede diesem Haus“ in ein Haus treten? Ist es nicht vielmehr die Anfrage an uns: Wie begegnen wir einander? Mit wie viel Zeit, mit wie viel Hektik, mit wie viel Emotion, mit wie viel Überzeugung, mit wie viel Wohlwollen! „Heilt die Kranken, die dort sind …“ Erst danach rät Jesus zur Tat. Zuerst muss die Grundeinstellung für ihn stimmen. Für mich heute immer wieder die Frage in der Verkündigung: Stimmt das, was ich rede und denke und fühle, mit meinem Tun überein?
Herma Sutterlüty, Religionslehrerin und regionale Pfarrbegleiterin, ist Mutter zweier Kinder und lebt in Egg im Bregenzerwald.