Gehen und Laufen sind wunderbare Begabungen des Menschen. Um aber größere Entfernungen zu bewältigen und Lasten zu bewegen, erfinden Menschen ständig neue Fortbewegungsmittel.
Das einfachste und zugleich genialste davon ist das Rad, das schon vor etwa 6000 Jahren bekannt war. Seither ist die formvollendete Idee des Rades kein zweites Mal erfunden worden (was auch nicht nötig ist, wie ein Sprichwort sagt). Die Verwendung mehrerer Räder als Basis des Wagens ist ebenfalls Jahrtausende alt. Schon beim Bericht über die Flucht des Volkes Israel aus Ägypten wird berichtet, dass Gott die Räder an den Streitwagen der Verfolger hemmte (Ex 14, 25). Während des babylonischen Exils im 6. Jh. v. Chr. beschrieb Ezechiel eine Vision, in der ihm der Thronwagen Gottes mit vier Rädern erschien. „Der Geist der Lebewesen war in den Rädern“, so der Prophet (Ez 10, 17). Heutzutage liegt der Lebensgeist vieler Menschen ebenfalls in Rädern, und damit sind ausnahmsweise nicht Autos oder Motorräder, sondern Fahrräder gemeint. Erst vor wenigen Jahren wurde Radfahren als gesundes, umweltverträgliches Freizeit-vergnügen entdeckt. Radfahrer/-innen sind nicht von Blech ummantelt, setzen sich aus und sind stark auf die Rücksicht anderer angewiesen. Sie nehmen die Fahrt wahr, spüren Anstrengung, aber auch Wind, Luft, Natur.
In weiten Teilen der Erde, in Afrika und Asien etwa, ist das Fahrrad auch heute ein unersetzliches, unverwüstliches und relativ günstiges Transportmittel. Unglaublich, welche Entfernungen zurückgelegt werden. Aus dem Kongo wurde kürzlich berichtet, dass zwei junge Leute 25 kg Mehl per Fahrrad aus einer 700 Kilometer entfernten Stadt geholt hatten!
Selbst ein stehendes Rad bietet manche Denkanstöße: – die Nabe, die Mitte, in der alles zusammenläuft und von der alles ausgeht: Wo habe ich meine Mitte? Ohne Mitte kein Leben, keine Bewegung … – die Speichen, die Verstrebungen des Rades: Keine Speiche macht allein Sinn. Nicht sich selbst genügen, in Verbindung bleiben, aufeinander bezogen leben … – der Reifen, ummantelt mit einer verletzbaren Schicht. Nicht gepanzert, sondern weich und nachgebend. Die Luft möge nie ausgehen. Dann kann ich Profil zeigen und Spuren hinterlassen.