Zerklüftet – statt zentriert – ist der Ortskern von St. Marien in OÖ
Ausgabe: 2001/27, Ortsplatz, Architekt, St. Marien, Ortskern
03.07.2001
- Elisabeth Leitner
„Man versteht einen Ort erst, wenn man ihn verlässt“, schreibt Walter Arzt in seiner Diplomarbeit. Nach einem Studienaufenthalt in Bayern sah er seinen Heimatort mit anderen Augen und ging ans Werk.
Der junge Architekt Walter Arzt aus St. Marien (OÖ) hat einen Wunsch: Der Ortsplatz soll wieder Herzstück der Gemeinde werden. Im Lauf der Jahre sind in St. Marien Gebäude verschwunden, der Ortsplatz ist zerklüftet, das Gemeindeleben – wie etwa standesamtliche Trauungen – spielt sich teilweise im Feuerwehrdepot ab. Ein unerträglicher Zustand für Walter Arzt. Arzt hat kürzlich sein Studium an der Kunstuni in der Meisterklasse Architektur bei Prof. Roland Gnaiger beendet. Seine Beo-bachtungen, Pläne, Impulse für einen lebendigen Ortskern hat er in seiner Diplomarbeit detailliert dargelegt. „Impuls der Mitte. Neustrukturierung des Ortskerns von St. Marien zur wirtschaftlichen und sozial-kulturellen Dorfentwicklung“ lautet der vollständige Titel seiner Arbeit, für die er mit dem Diözesankunstpreis ausgezeichnet wurde. Die Jury würdigte die „sorgsame Auseinandersetzung mit der Heimatgemeinde“. Bemerkenswert fand die Jury, dass Arzt die Arbeit im Kontakt mit den Verantwortlichen der Gemeinde verfasst hat. Der Architekt, der mit seiner Familiein St. Marien lebt, sieht großen Handlungsbedarf. Hofladen, Bibliothek, ein Café sollen den jetzt oft menschenleeren Ortsplatz beleben. Arzt hat seine Pläne in der Kirche vor versammelter Gemeinde präsentiert. Dass das eine gute Sache sei, darin waren sich viele einig. Die Umsetzung wird jedoch schwierig. Die entsprechenden Baugründe zur Neugestaltung sind großteils in privater Hand. Pfarrer Dr. Andreas Altrichter unterstützt grund-sätzlich Initiativen, die das Leben in der Gemeinde florieren lassen: „Allerdings ist die Pfarre von den Plänen kaum betroffen.“ Vize-Bürgermeister Helmut Tempel sieht die Lage in St. Marien nicht so dramatisch wie Arzt: „Die Infrastruktur lebt. An eine sofortige Umsetzung der Pläne ist nicht gedacht. Das ist eine finanzielle Frage. Wir haben jetzt wichtigere Projekte, z. B. die Sanierung der Volksschule“, erklärt Tempel. „Wir werden die Pläne aber in unseren Arbeiten einbauen. Das muss der Bevölkerung vorgestellt werden. Herr Arzt wird dann dazu eingeladen.“ Die Kirchenzeitung wird über den weiteren Verlauf berichten.