Bad Schallerbach: Pfarrgemeinde erarbeitet ein Leitbild
Ausgabe: 2001/27, Krise, Bad Schallerbach, Leitbild
04.07.2001
- Josef Wallner
„Die Kirche befindet sich in einer Kise. Da fragt man bewusster: Wer sind wir?“, so Pfarrer Vitus Kriechbaumer. Ein Leitbild soll der Pfarre helfen, im Geist Jesu als Kirche zu leben.
Der Anstoß, ein Leitbild für die Pfarre Bad Schallerbach zu formulieren, war wenig erfreulich: Im Dezember 2000 flatterte in jeden Haushalt ein Postwurf, in dem die Situation der Pfarre verachtend dargestellt wurde. Das Pamphlet kam von auswärts. Die Pfarre reagierte nicht mit einer geharnischten Entgegnung. Sie nahm die Beschimpfungen als Herausforderung an, über den theologischen Standort der Pfarre nachzudenken. Der Leitbildprozess begann. Nun hat der Pfarrgemeinderat einen Entwurf vorgelegt und bittet die Bewohner/innen dazu Stellung zu nehmen.Herzstück des Leitbilds ist eine Kurzformel des Glaubens. Das „Glaubensbekenntnis von Bad Schallerbach“ geht vor allem auf Jesu Botschaft und sein inniges Vertrauen auf Gott ein: „Menschen wünschen sich ein geglücktes und sinnerfülltes Leben. Darum geht es auch im Leben und in der Botschaft Jesu. Es ist eindrucksvoll, wie Jesus auf seinen Gott vertraut und wie er mit den Menschen umgeht.“ Jesus wird weiters im Leitbild beschrieben als einer, der nicht richtet, sondern aufrichtet und der zur Entscheidung herausfordert. Für die Pfarrgemeinde bedeutet das, dass eine lebendige Beziehung zu Gott „unser Ziel und unsere Kraftquelle“ ist, heißt es im Leitbild. Das Augenmerk besonders auf die Benachteiligten in der Gesellschaft zu richten, sei ebenfalls eine Konsequenz aus der Botschaft Jesu. Auch wiederverheiratete Geschiedene sollen Platz und Ansehen in der Gemeinde haben. Pfarrer Kriechbaumer erklärt unmissverständlich, dass damit die „Zulassung zum Tisch des Herrn gemeint ist“. Er denkt aber auch an die vielen alten Menschen, die im Kurort Bad Schallerbach zu Gast sind: „Wir möchten den Menschen, die nicht mehr dem gnadenlosen Leistungsprinzip der Gesellschaft entsprechen, mit großer Achtung und Würde begegnen.“ Angebote für die Seele werden daher einen besonderen Stellenwert haben. „Manche Folgerungen aus dem Leitbild werden uns auch beunruhigen“, gibt sich der Pfarrer keinen Illusionen hin. Aber die ersten Rückmeldungen aus der Pfarre sind sehr positiv. Ein Zeichen dafür, dass das Leitbild als Wegweiser für das Handeln der Pfarre angenommen wird. „Vor allem bei Konflikten soll es uns stets erinnern zu fragen: Wie hätte Jesus gehandelt?“.