Ob es den Mächtigen gefällt oder nicht: Die Kirche erhebt in ethischen und sozialen Fragen ihre Stimme für die Einhaltung der Menschenrechte. So auch beim Gipfeltreffen der acht größten Industrienationen in Genua. Ein Wirtschaftssystem, das den Graben zwischen armen und reichen Ländern vertieft, nennt die Kirche einen Skandal. Dies auch gegen Widerstand von manchen Konzernen, den sogenannten „Global Players“, die am Weltmarkt das Sagen haben. Die Ereignisse rund um den Gipfel in Genua haben wachgerüttelt: 200.000 Globalisierungsgegner/innen und die Teilnehmer des G8-Gipfels standen einander gegenüber. Den Staatsmännern der Industrienationen übermittelte Papst Johannes Paul II. eine klare Botschaft: Er rief sie auf, keine Person und keine Nation von den Beratungen auszuschließen. „Es geht darum, eine Kultur der Solidarität zu fördern“, sagte der Papst.
Die andere Globalisierung
HORIZONT3000 würdigte Menschen mit richtungsweisenden Ideen
Sie leben in drei Kontinenten. Doch die VordenkerInnen in einer globalisierten Welt verbindet eine Überzeugung: Sie sind nicht arm, sondern vom Leben ausgeschlossen.
„Warum sollen alle Coca-Cola trinken, bei McDonald’s essen und an jener Börse ihr Geld anlegen, die jeden zweiten Tag zusammenbricht?“ Vandana Shiva rüttelt jene wach, die zur Verleihung des „HORIZONT3000“ gekommen sind. Und sie deckt jene „Monokultur des Geistes“ auf, die sich weltweit ausbreitet. „Menschen wie Vandana Shiva, Myrna Cunningham oder John Waliggo ermutigen uns“, sagt Robert Zeiner von HORIZONT3000. „Sie sind Vorbilder, dass ihr Handeln und ihre Ideen richtungsweisend für unsere eine Welt sind.“ Deshalb habe die Organisation für Entwicklungszusammenarbeit (Text unten "Zur Sache") die Inderin, die Nicaraguanerin und den Ugandesen mit dem Preis gewürdigt.
Zukunft nach Frauenart
Vandana Shiva, 1993 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet, formuliert nicht nur ihre Analyse verständlich. Auch die Lösung der promovierten Quantenphysikerin klingt einfach: „Wir müssen das Denken der Frauen in den Mittelpunkt stellen, nicht das der Börsianer von der Wall Street.“ Denn teilen präge, so Shiva, die Haushaltsführung der Frauen und die Arbeit für die Gemeinde. Das Teilen der Reichtümer der Erde und die Kreativität der Menschheit müssen auf Frauenart die Zukunft bestimmen. Seit 1991 gilt der Einsatz Shivas dem Kampf gegen die Patentierung von Saatgut durch internationale Konzerne. „Früher hüteten die Bäuerinnen und Bauern das Saatgut, heute sind sie gezwungen, dieses zu kaufen.“ Die daraus folgende Abhängigkeit von Krediten hat in den letzten Jahren zum dramatischen Ansteigen der Selbstmordrate unter Bauern geführt. Doch bisher gebe es kein Saatgut, das mehr Getreide hervorbringe als früher. Vielmehr sei zu beobachten, dass „mit dieser neuen Technologie der Hunger nach Indien zurückgekehrt ist“. Myrna Cunningham ist Rektorin der Universität für indigene Völker in Nicaragua. Als Angehörige der Miskitos hat sie in der Atlantikregion des Landes nachhaltige Akzente im Bildungs- und Gesundheitsbereich gesetzt.Für seine nationale Friedensarbeit in Uganda wurde John Waliggo von HORIZONT3000 geehrt. Der Priester ist Vizedirektor der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der Bischofskonferenz des ostafrikanischen Staates.
Ausgegrenzt statt arm
Gemeinsam haben die Vordenker aus Afrika, Amerika und Asien – sie wollen nicht von „Armen“ sprechen. Cunningham: „Dieser Begriff ist für uns beschämend. Wir im Süden sind nur so arm, weil die Menschen des Nordens so reich geworden sind. Wir brauchen neue Beziehungen zwischen Nord und Süd.“ Und der Visionär John Waliggo meint: „Ich träume, dass die Opfer der Ungerechtigkeiten in die Mitte dieser Welt gestellt werden, wo sie gleichberechtigt die Früchte und den Reichtum genießen können.“
ZUR SACHE
HORIZONT3000
„Unsere Herausforderung mit Blick auf das dritte Jahrtausend ist es, Grundlagen für ein menschenwürdiges Leben für möglichst alle Menschen zu schaffen“, meint Robert Zeiner. Dazu passt für den ehemaligen Entwicklungs-helfer daher ideal der Name „HORIZONT3000“. Denn zu dieser Organisation haben sich mit 1. Jänner 2001 folgende renommierte kirchliche Institutionen zusammengeschlossen: der Österreichische Entwicklungsdienst (ÖED), das Institut für Internationale Zusammenarbeit (IIZ) und die Kofinanzierungsstelle für Entwicklungszusammenarbeit (KFS). Robert Zeiner, der neue Geschäftsführer von HORIZONT3000: „Damit sind wir die größte Organisation für Entwicklungszusammenarbeit in Österreich.“ Neben 45 MitarbeiterInnen in Österreich sind rund 100 Personen (Entwicklungshelfer) in Übersee im Einsatz. Mit 25,2 Mill. EURO (347 Mill. S) werden heuer Projekte in 35 Ländern finanziert. 80 Prozent davon kommen aus staatlichen Fördermitteln sowie von der EU. Und seit 19. Juli sind die drei an einem Ort zu finden. Denn unter dem Dach der Wohllebengasse 12–14 (1040 Wien) ist aus ÖED, IIZ und KFS endgültig HORIZONT 3000 geworden.