Renate Dünser sorgt für frischen Wind in ihrer Pfarre
Ausgabe: 2001/31, Ehrenamt, Dünser
31.07.2001
- Reinhard Maier
„Sie ist eine Säule der Pfarre Übersaxen und hält das Pfarrleben der 550-Einwohner-Gemeinde in Schwung“, findet der Priester Christoph Tölg lobende Worte für Renate Dünser.
Die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates ist leitend im „Pfarrteam“ engagiert. Das beinhaltet viele ungewohnte Aufgaben, denn seit eineinhalb Jahren wohnt kein Priester mehr in der Rheintal-Hanggemeinde. Dabei war der Einstieg in die Pfarrarbeit vor zehn Jahren reichlich „zufällig“. Man fragte Raimund Dünser um die Mitarbeit im PGR an, und der spielte den Ball an seine Frau weiter, damit sie neben drei kleinen Kindern etwas unter die Leute komme. „Wir hatten auch an dich gedacht“, hieß es später von Bekannten, „aber mit so kleinen Kindern (10 Monate, 2 und 3 Jahre), dachten wir, können wir dir das nicht zumuten.“ Die Mitarbeit hat ihr von Anfang an Freude gemacht.
Es war nicht geplant
Nach der letzten Pfarrgemeinderatswahl vor fünf Jahren ermutigte sie Pater Daniel Lins – der damalige Seelsorger war bereits über 80 –, den Vorsitz im Pfarrgemeinderat zu übernehmen. „Ich hatte Bedenken, dass die Leute eine Frau nicht akzeptieren würden“, meint Renate Dünser. Dann wurde P. Daniel krank, sie musste sich um Aushilfspriester kümmern, und eins ergab das andere. Polnische Priester erwiesen sich nicht als Dauerlösung, jetzt hält Bischofssekretär Dr. Christoph Tölg die Gottesdienste. Um alle organisatorischen Angelegenheiten kümmern sich Renate Dünser und Gabi Fritsch, die mit dem Seelsorger das Pfarrteam bilden. „Ein Mann hat sich bisher leider noch nicht gefunden“, bedauert Dünser.
Viel Organisatorisches
Die mit der Dözese vereinbarten Leitlinien sehen vor, dass das Pfarrteam alle organisatorischen und finanziellen Aufgaben der Pfarre im Auge hat. Das heißt z. B. Gottesdienstordnung schreiben, Raumreservierung im Pfarrheim abwickeln, Kontakt zum Erstkommunionteam halten oder dafür sorgen, dass die Firmvorbereitung alle zwei Jahre geschieht. Der Priester nimmt rein seelsorgliche Aufgaben wahr, hält den täglichen Gottesdienst, zu dem jeweils 20 bis 30 Frauen kommen. Die größte Herausforderung sieht Dünser im Auftrag, die Pfarre auch ohne Priester im Ort spirituell weiterzuentwickeln, z. B. durch Exerzitien, oder den Kontakt zu den Tauffamilien zu intensivieren, um die große Lücke bis zum Eintritt ins Schulalter zu überbrücken. Ihr größter Traum wäre es, nach der PGR-Wahl im März 2002 gemeinsam ein Leitbild für die Pfarre zu entwickeln.Schade findet sie, dass das Organisatorische so viel Zeit braucht. „Ein Pfarrer muss wirklich auch Manager sein“, hat sie entdeckt. Darum hat sie auch darauf bestanden, wenigstens eine kleine Entschädigung für regelmäßig anfallende Arbeiten zu bekommen. „Ehrenamt soll nicht automatisch zum Ersatz für hauptamtliche Seelsorge werden, meint sie selbstbewusst.
Ein buntes Pfarrleben
„Wir haben eine sehr lebendige Pfarre“, schildert Renate Dünser das Leben in Übersaxen. Von 550 Katholiken sind es 60 ehrenamtliche MitarbeiterInnen – das gute Dutzend Ministranten nicht mitgerechnet. Außer dem Pfarrgemeinderat gibt es Arbeitskreise für Ehe und Familie, Bildungswerk, Lektoren, Kommunionteam, Kirchenrat, den Kirchenchor, ein Jugendchörle, eine Frau besucht die Kranken, eine andere sorgt sich um das Thema Mission und organisiert jedes Jahr einen Basar oder Suppentag. Auch über die Pfarre hinaus ist die Vollhausfrau im Dorfleben engagiert, sei es im Schiverein oder wenn hin und wieder ganz spontan eine Wanderung mit ein paar Frauen angesagt ist. Auch hier ist sie der Motor. „Die meisten warten einfach auf den Anstoß und scheuen sich, selber die Initiative zu ergreifen.“„Der Glaube ist mir wichtig“, meint sie auf die Frage nach dem Warum ihres Einsatzes. Und viele positive Rückmeldungen aus dem Dorf bestärken sie. Sie fände es schlimm, wenn in der Pfarre nichts mehr geschehen würde. „Ich bilde mir aber nicht ein, dass ohne mich nichts mehr passieren würde“, bleibt sie gelassen.