Ganz im Gegensatz zum innerkirchlichen Jammern sagen zwei von drei Priestern, dass sie beruflich zufrieden sind. Und sie schätzen ihre zölibatäre Lebensform. So zwei Ergebnisse der Priesterstudie 2000 von Prof. Dr. Paul M. Zulehner. Der Wiener Pastoraltheologe erläutert für die Kirchenzeitungsleser/innen Angelpunkte der Befragung von 2.500 Priestern. Zur ehelosen Lebensform merken die Geistlichen an, dass ihnen jegliche Unterstützung fehlt: nicht nur von der Gesellschaft, auch von den Pfarrgemeinden. Zulehner: „Wir wissen kaum, warum die Kirchenmitglieder die Ehelosigkeit so wenig schätzen“. KA-Präsidentin Margit Hauft meint zur Ehelosigkeit der Priester: „Unsere Gemeinden suchen Seelsorger, die Lebensform hat dabei für die Gläubigen nicht erste Priorität. Wichtig ist das Miteinander von Priester und Gemeinde“. Unbestritten habe die Ehelosigkeit aber ihren Wert, so Hauft.
Priester sind beruflich zufrieden
Studie zeigt: für die ehelose Lebensform fehlt jegliche Unterstützung
Für den Pastoraltheologen Paul Michael Zulehner ergibt die Umfrage ein deutliches Bild: Ihren Beruf bezeichnen Priester als herausragend interessant. Was die Studie zum Thema „Ehelosigkeit“ sagt, fasst der Autor für die Kirchenzeitung zusammen.
An der Arbeitsstelle für kirchliche Sozialforschung (AfkS) habe ich zur Jahrtausendwende 2500 Priester befragt: aus Österreich, der Schweiz, aus Deutschland, Kroatien und Polen. Sie bestätigen, was öffentlich von ihnen gehalten wird. Priester haben einen herausragend interessanten, ja beneidenswerten Beruf. Dieser hat große Stärken: Priester stehen in der Öffentlichkeit, begleiten Menschen durch ihr Leben, sind mit Gottes Geheimnis vertraut, leiten Gemeinden und machen sich für die Armen stark.
Berufszufrieden
Das macht verständlich, warum – ganz im Gegensatz zum innerkirchlichen Jammern – zwei von drei Befragten sagen, sie seien beruflich zufrieden. Sie würden diesen Beruf auch wieder wählen. Zudem: Kaum jemand würde einem jungen Mann abraten, Priester zu werden.Natürlich haben die Priester auch Wünsche und Sorgen. Sie spüren, dass sie weniger das sein können, was sie gerne tun: nämlich Seelsorger zu sein. Vor allem der Priestermangel vermindere solche personbezogene Seelsorge. Sie würden auch gern das Leben der Kirche intensiver mitgestalten: die Auswahl der Kandidaten für das Bischofsamt, die Zulassung von Frauen zum Diakonat, auch zur Priesterweihe, die Möglichkeiten, neben den ehelosen Priestern auch verheiratete zu finden, damit die Gemeinden eucharistiefähig bleiben. Aber diese Sorgen zerstören nicht ihre Zufriedenheit mit ihrem eigenen priesterlichen Tun.
Lebenszufrieden
Noch mehr. Die Priester, die wir befragt haben, haben auch großteils eine beträchtliche Wertschätzung des ehelosen Lebens. Sichtlich haben sie sich einmal dafür entschieden und sind klug genug, die Gründe für ihre Lebensform zu stärken statt so zu schwächen, dass sie unerträglich wird. Natürlich gibt es auch Unzufriedene. Wir haben aber entdeckt, dass vor allem am Beginn des Priesterlebens bei den jüngeren die Ehelosigkeit kaum noch in Kauf genommen wird – das war das Schicksal der Nachkonzilspriestergeneration. Andererseits übersehen wir nicht, dass es bei vielen Priestern ein Auf und Ab gibt, Krisen also in der ehelosen Lebensform. Manche kommen dabei schon an den Rand des Aushaltbaren. Aber ist das bei Eheleuten heute anders? Warum sollten die Priester eine Ausnahme bilden. Eines ist auch klar geworden: Wer heute die Ehelosigkeit mit offenem Visier leben will – und nicht im Haus des Zölibats wie in einer Ehe lebt, und das auf Kosten einer versteckten Freundin –, der braucht eine große Fähigkeit, mit vorhersehbaren Krisen fertig zu werden. Nur wenige verstecken sich heute neurotisch vor Frauen, sind beziehungsflüchtig, was das andere Geschlecht betrifft. Da braucht es aber auch Klarheit und eine hohe Portion belastbarer Spiritualität. Jene, die nicht durchhalten, können die Verantwortung nicht allein auf die Strukturen abwälzen.
Keine Unterstützung
Allerdings fehlt, so die Priester einhellig, für die ehelose Lebensform so gut wie jegliche Unterstützung – sowohl in der Kultur, aber auch in den Gemeinden. Das führt zu einem Zynismus, weil die Kirche im Amt sagt: lebt ehelos, und die Kirche als Volk sagt: das schätzen wir aber nicht sehr. Wir wissen kaum, warum gerade die Kirchenmitglieder die Ehelosigkeit (übrigens auch der Ordensleute) kaum noch schätzen. Aber dies ist eine Herausforderung, die sich der Kirche stellt. Bleibt die Nichtunterstützung im Kirchenvolk für die ehelose Lebensform, dann bedeutet heute eine „Freistellung“ des Zölibats dessen faktische Abschaffung. Ehelos wären dann wenige Charismatiker, schon mehr Neurotiker und vereinzelt Schwule, die im Schutzschild der Ehelosigkeit ihre homophilen Beziehungen meinen leichter pflegen zu können.
Zeitoffene Gottesmänner
Die Studie zeigt eine bunte Vielfalt von Priestern. Wir haben zeitlose Kleriker, zeitoffene Gottesmänner, zeitnahe Kirchenmänner und zeitgemäße Gemeindeleiter. Sie unterscheidet sowohl ihr theologisches Amtsbild wie die Modernitätsverträglichkeit. Die einen verstehen ihr Amt mehr von Christus her, andere von der Gemeinde. Die einen lehnen die moderne Welt ab, andere sind weltverliebt. Priester, wie die Kirche sie heute braucht, werden gewiss sehr viel an Leitungskompetenz brauchen, die Fähigkeit, im Team zu arbeiten, zu planen, zu delegieren, Projekte zu begleiten. Aber ohne spirituelle Kompetenz sind sie wie klanglose Glocken. Die Kirche braucht für die Menschen von heute vor allem geistliche Priester in geistlichen Gemeinden.
Tipp:
Zulehner, Paul M./Hennersperger, Anna: „Sie gehen und werden nicht matt“. Priester in heutiger Kultur, Schwabenverlag 2001, 145 Schilling. Ein ausführlicher Forschungsbericht (450 Seiten) erscheint im Herbst: Zulehner, Paul M.: Priester im Modernisierungsstress, Schwabenverlag 2001. Zur Studie PRIESTER 2000 gibt es eine CD-ROM mit dem Tabellenband (mit diözesanen Linearergebnissen), mit vielen Grafiken und Zusammenfassungen. Die CD-ROM kostet 170.– (zuzüglich Versand) und ist zu bestellen unter: pmz@univie.ac.at