„Sauerteig sein, wo immer sie stehen.“ – Die „Dienerinnen Christi des Königs“ haben einen besonderen Zugang zur Seelsorge.
„Christus dem König dienen.“ Eine solche Formulierung klingt heute für viele Menschen altmodisch. Damit können sie nichts anfangen. Immer wieder wird Frau Dr. Elisabeth Moser, Hauptleiterin der Gemeinschaft der „Dienerinnen Christi des Königs“ (lateinisch: Ancillae Christi Regis), auf den Namen ihrer Gemeinschaft angesprochen. Dann zeigt sie, dass ihr Bild von Christus dem König ganz und gar kein verstaubtes ist. Keinen Siegertypen, keinen Helden hat sie vor Augen, wenn sie an Christus denkt. Nein, es ist der König der Liebe, der als Mensch verlassen und verletzlich vor Pontius Pilatus steht. Ihr und ihren Mitschwestern ist also eher ein Antikönig Vorbild.
Die Leut’ kommen einfach
Ein besonders aufmerksames Hören auf das Evangelium lässt auch der seelsorgliche Einsatz der Schwestern erahnen. Sie versuchen, „Sauerteig“ zu sein, wo immer sie stehen, als Laien unter Laien. Ob Krankenschwester, Tierärztin oder Lehrerin: Der angestammte Beruf wird verbunden mit der individuellen Berufung. Und wie auch der Sauerteig von selbst aufgeht, so ergeben sich laut Moser auch Gespräche und Besuche ganz natürlich. Die Seel-sorge der Schwestern wurzelt und lebt in ganz normalen Alltagsbegegnungen. „Immer die Wesensart zu finden, die unserer Zeit gerecht wird“, war schon dem Gründer der Gemeinschaft, Kan. Leopold Engelhart aus Wien, ein besonderes Anliegen.
Die Schwesterngemeinschaft „Dienerinnen Christi des Königs“ entstand nach dem ersten Weltkrieg – eine Zeit, in der viele Menschen der Kirche feindselig gegenüberstanden. Für Kanonikus Engelhart wurde deutlich, dass die Priester in ihrer seelsorglichen Tätigkeit dringend Unterstützung benötigen. Er entschloss sich für einen damals neuen Weg. Er sammelte Laien um sich, die für die Seelsorge ausgebildet wurden. Diese konnten den apostolischen Dienst mitunter unauffälliger verrichten ohne auf Schwellenängste zu stoßen. Heute gibt es rund 120 Dienerinnen Christi des Königs. Sie kommen vor allem aus Österreich, aber auch aus Deutschland, Südtirol und Ungarn. In diesen Ländern wirken auch die meisten. Einige sind in Südkorea und Tanzania im Einsatz. Die Schwestern leben alleine, sind aber in sogenannten Kollegien organisiert. Aus dem Miteinander, dem Füreinander-Dasein bei den regelmäßigen Treffen z. B. in den Bildungswochen schöpfen die Schwestern neue Kraft. Gemeinsame Liturgie, Gesang und Exerzitien stehen im Mittelpunkt des spirituellen Lebens. Die Bibel ist eine wichtige Begleiterin.
Die Wüste kann fruchtbar sein
Wie auch andere Gemeinschaften hat das Säkularinstitut einen Rückgang seines Nachwuchses zu verzeichnen. Trotzdem bewahren sich die Schwestern aber ihre positive Haltung. „Auch die Wüste kann fruchtbar sein“, meint Moser. „Es braucht aber Geduld.“ Ein kräftiger Hinweis dafür kommt aus Ungarn. Dort konnte das Säkularinstitut im Jahr 2000 offiziell Fuß fassen.
Einsatz in der Diözese Linz
Das Säkularinstitut der „Dienerinnen Christi des Königs“ (Ancillae Christi Regis) feiert heuer am 26. August in Innsbruck sein 75-jähriges Bestehen. Der Hauptsitz der Schwesterngemeinschaft befindet sich in Wien. Zwölf Jahre lang (1977 bis 1989) war mit Frau Margarete Wendl eine Ober-österreicherin Hauptverantwortliche des Instituts. Seit 1996 leitet die Innsbruckerin Dr. Elisabeth Moser die Gemeinschaft. Ihr folgt heuer Evelyne Schäfer aus Dornbirn nach.
In unserer Diözese Linz wurde im Jahre 1971 das Kollegium „St. Josef“ des Säkularinstituts gegründet. Ihm gehören derzeit 18 Schwestern an. Sie sind in Attnang, Grieskirchen, Haid, Leonstein, Linz, Losenstein, Sierning, Vöcklabruck und Wels tätig. Drei Mitglieder kommen aus der Diözese St. Pölten. Eine Schwester arbeitet in Ungarn (Nyiregyháza) mit P. Dr. Anton Gots zusammen.
Kontaktadresse: Säkularinstitut ANCILLAE CHRISTI REGIS,Sampogasse 14/11; 1140 WienIn der Diözese Linz: Hedwig Meisinger, Schumpeterstraße 15/9/55, 4040 Linz
Lexikon:
Säkularinstitut
Die Gemeinschaft „Dienerinnen Christi des Königs“ besteht seit 1926. Im Jahr 1955 erfolgte die kanonische Errichtung als Säkularinstitut.Säkularinstitute gibt es offiziell seit der Veröffentli-chung der apostolischen Konstitution „Provida Mater Ecclesia“ durch Papst Pius XII. im Jahr 1947.Anders als Ordensschwestern verbleiben ihre Mit-glieder in einem weltlichen Stand. Sie tragen kein Ordensgewand und unterhalten keine Klöster. Durch die Organisationsstrukturen des Säkularinstitutes werden ein gemeinschaftliches Band und Formung und Ausbildung der Mitglieder garantiert.Ziel der Säkularinstitute ist es, nach den Evangelischen Räten (Armut, Keuschheit, Gehorsam) „in der Welt und mit den Mitteln der Welt“ zu leben.