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ORF-Wahl: wofür katholische Kandidaten eintreten wollen

Die Kandidaten/-innen katholischer Organisationen für die ORF-Wahl
Ausgabe: 2001/38, Thema, ORF, Wahl, Kanditaten,
18.09.2001
- Hans Baumgartner
Sie sind vielleicht keine „Berühmtheiten“, aber sie sind engagiert und verstehen was von der Sache: die Kandidaten/-innen katholischer Organisationen für die ORF-Wahl.

Im Hauptberuf ist Michaela Stefan (42) Pressereferentin der Landwirtschaftskammer, ehrenamtlich werkt sie seit vielen Jahren im Präsidium des Katholischen Familienverbandes. Dieser entsandte sie auch vor drei Jahren in die ORF-Hörer- und Sehervertretung. Dort hat Stefan als stv. Vorsitzende der Beschwerdekommission einige Erfolge erzielt: „Nach einer Werbung für den Brutalfilm ,Hannibal‘ konnten wir erreichen, dass der ORF im Kinder- und Nachmittagsprogramm auch bei der Werbung auf Gewaltfreiheit achtet.“ Nach massiven Tabubrüchen in der Krimireihe „Kommissar Rex“, die vom ORF ja fast als Familienprogramm vermarktet werde, habe sie auf eine ernste Auseinandersetzung mit der zuständigen Programmintendantin gedrängt. „Es ging darum, wie weit öffentlicher Rundfunk in seinen selbstproduzierten Sendungen den Wertekonsens der Gesellschaft immer wieder unterminieren darf.“ Auch im neuen Publikumsrat möchte Stefan als „Anwältin der Zuschauer“ Beschwerden bearbeiten, aber auch neue Entwicklungen („Taxi Orange“ etc.) kritisch begleiten. „Ich hoffe, dass wir durch das neue Gesetz und die neue Aufmerksamkeit mehr Möglichkeiten haben, auf Qualität im Programm zu drängen.“ Wichtig ist ihr ein Weg des Dialogs mit den ORF-Verantwortlichen. „Das bringt letztlich mehr als laute Konfrontation.“

Qualität ist nicht gleich fad

Peter Pawlowsky (62) ist seit den 60er Jahren als Journalist, Übersetzer und Erwachsenenbildner tätig. Vielen Fernsehzuschauern ist der Miterfinder und Moderator von „Kreuz&Quer“ in bester Erinnerung. Während 30 Jahre ORF-Arbeit habe er, so Pawlowsky, das Publikum sehr genau kennen gelernt. „Das Bedürfnis der Menschen nach Orientierung und Lebenssinn wird immer größer; und diejenigen, die darin einen Gegensatz zu Spannung und Unterhaltung sehen, machen sich’s zu einfach.“ Er kandidiere für den Publikumsrat, weil er sich für ein Programm einsetzen möchte, das den tatsächlichen Bedürfnissen der Hörer/-innen und Seher/-innen entspricht. „Sie wollen Substanz in genießbarer Verpackung, Seriosität ohne erhobenen Zeigefinger, Unterhaltung ohne den schalen Geschmack hinterher. Ein ORF, der sich so profiliert, braucht nicht fürchten, auf dem freien Medienmarkt unterzugehen“, ist Peter Pawlowsky überzeugt.

Mehr auf Kinder achten

Dafür sorgen, dass die Kinder zu ihren Rechten und Mitgestaltungsmöglichkeiten kommen – das liegt Helmut Habiger (29) als langjährigem Jungschar-Gruppen- und Dekanatsleiter besonders am Herzen. Neben der konkreten Arbeit mit Kindern kann Habiger auch auf eine mehrjährige Tätigkeit als Filmkritiker verweisen. Diese Erfahrungen würde der derzeitige Bundesvorsitzende der Jungschar gerne als Publikumsrat nutzen. Vom ORF fordert Habiger mehr Qualität im Kinder- und Jugendprogramm, weniger Wiederholungen und mehr Eigenproduktionen, die Niveau haben und trotzdem nicht fad sind – etwa ein kindergerechtes „Am Schauplatz“. Dass das Kinder- und Jugendprogramm nur ja nichts kosten soll, sieht Habiger nicht ein. Neben niveauvoller Unterhaltung fordert Habiger auch Formate, die Neugier und Kreativität der Kids wecken.




Zur Sache:


Gebührenzahler dürfen wählenZwischen 17. und 23. September können die rund 2,7 Millionen ORF-Gebührenzahler sechs der 35 Publikumsräte direkt wählen. Die Wahl erfolgt mittels kostenlosem Fax (auch von Post-, Gemeindeämtern möglich). Stimmzetteln und Kandidateninformationen gibt es ab 10. September bei Trafiken, Post- und Gemeindeämtern und im Internet (www.orf.at).

Auf dem Wahlformular sind die Kandidaten/-innen mit Codenummern einzutragen. Außerdem muss die Rundfunkteilnehmer-Nummer angegeben werden. Sie finden die 10-stellige Nummer auf dem Zahlschein oder Kontoauszug für die ORF-Gebühr.

Der Publikumsrat besteht aus 35 Mitgliedern. Davon entsenden je eine/n Vertreter/-in: Wirtschafts-, Arbeiter- und Landwirtschaftskammer, ÖGB, Kammern freie Berufe, die Bildungsinstitute der Parlamentsparteien, die Akademie der Wissenschaft, die katholische Kirche (Franz Küberl) und die evangelische Kirche (Peter Karner).

Je ein/e Vertreter/-in aus dem Bereich Bildung, Jugend, ältere Menschen, Eltern/Familien, Sport und Konsumenten wird gewählt. 17 weitere Vertreter/-innen aus den bereits genannten sechs Bereichen sowie aus den Bereichen Hochschulen, Kunst, Schüler, behinderte Menschen, Volksgruppen, Touristik, Kraftfahrer und Umweltschutz werden vom Bundeskanzler ernannt. Er ist dabei an die von relevanten Institutionen vorgeschlagenen Kandidaten/-innen – insgesamt 206, für die Publikumswahl 139 – gebunden. Der Publikumsrat ist ein Beratungsgremium. Er entsendet sechs Mitglieder, davon drei direkt gewählte, in den Stiftungsrat, wo die ORF-Politik gemacht wird.
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