Für eine offene Debatte über den Pflichtzölibat in der katholischen Kirche des lateinischen Ritus tritt die Zeitschrift „Wegbereiter“ in ihrer letzten Nummer ein. Die Zeitschrift wird vom Salvatorianerorden herausgegeben und hat den Auftrag, die Berufungspastoral zu unterstützen und geistliche Berufe zu fördern. Als Befürworter des Zölibats betont der Paderborner Seminarregens Peter Klasvogt die am Leben Jesu orientierte „prophetische Gestalt des Amtes“. Der Redakteur der Zeitschrift, P. Konrad Werner, hingegen meint, dass das ehelose Leben von vielen Christen und Gemeinden nicht mehr mitgetragen werde. Der Benediktiner, Exerzitienleiter und Begleiter vieler Priester in Lebenskrisen, P. Anselm Grün, der selber „das Charisma der Ehelosigkeit sehr schätzt“, tritt dafür ein, den Zölibat freizustellen. Das würde manche Priester sehr entlasten, aber auch die Zahl der Berufungen erhöhen.
Skandale erschüttern US-Kirche
70 Prozent der US-amerikanischen Katholiken sprechen angesichts der Vielzahl von Missbrauchsfällen in zahlreichen Diözesen von einer schweren Krise ihrer Kirche. Jeder dritte Katholik hält den Bischöfen vor, im Umgang mit diesem Problem versagt zu haben. Man wirft den Kirchenleitungen vor, Fälle zu lange vertuscht zu haben und Priester, gegen die Anschuldigungen vorlagen, immer wieder mit Seelsorgeposten betraut zu haben, wo sie Zugang zu Jugendlichen hatten. So war es auch im Fall des 66-jährigen ehemaligen Priesters John Geoghan von Boston, der die ganze Sache ins Rollen brachte. Er wurde Ende Jänner zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt. Der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Wilton Gregory, kündigte die Erarbeitung strenger, landesweit gültiger und wirksamer Richtlinien im Umgang mit pädophilen Priestern an. Neue Regeln im Umgang mit Missbrauchsfällen durch katholische Priester haben auch die Bischofskonferenzen in der Schweiz und in Irland angekündigt. In Irland hat der Papst den Rücktritt des Bischofs von Ferns, Brendan Oliver Cominskey, angenommen. Der Bischof hat den Amtsverzicht mit seinem Versagen im Umgang mit einem Priester, der sexueller Übergriffe beschuldigt wurde, begründet. Er habe vieles versucht, das sei jedoch zu wenig gewesen.