Ausgabe: 2002/15, Chance, Riesenfang, Jünger, Jesus, See, Fischer;
09.04.2002
Die Jünger sind müde und hungrig. Sie haben die ganze Nacht gefischt und nichts gefangen. Nun tritt zu ihnen ein Fremder und fragt sie: „Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen?“ Auf ihre Verneinung gibt er ihnen einen seltsamen Tipp: Sie sollten die Netze doch auf der rechten, also auf der richtigen Seite, auswerfen. Erstaunlicherweise nehmen die Jünger den Hinweis ernst. Trotz ihrer Erschöpfung und dem Risiko eines weiteren Misserfolgs steigen sie ins Boot. Ihr Vertrauen in den Fremden wird reich belohnt. Schon in Ufernähe fangen die Jünger mehr Fische, als sie transportieren können, und erkennen plötzlich: Der Fremde ist der Herr! Der Auferstandene ist also der Grund für ihren Riesenfang von 153 Fischen. Durch Jesus Christus und auch durch ihre eigene Initiative werden sie satt.
Natürlich erinnert das Sonntagsevangelium an die Berufung der ersten Jünger in den anderen Evangelien. Dort sagt Jesus, dass die Jünger von normalen Fischern zu Menschenfischern werden würden (Mt 4,9; Mk 1,7; Lk 5,0). Bei Johannes steht die Zahl der 153 Fische vermutlich für die große Menge der Gläubigen aus allen Völkern. In allen vier Evangelien wird anhand der konkreten Erfahrung des Fischens auf die eigentliche Aufgabe der Jünger, Menschen für die Nachfolge Jesu zu begeistern, hingewiesen.
Noch ein anderer Aspekt fällt auf: Die Jünger nehmen ein Wagnis auf sich: Sie folgen den Anweisungen dieses Fremden. Letztlich hat sich das Einlassen auf das Risiko ja auch ausgezahlt – die nochmalige Fahrt auf den See führt zum Riesenfang. Aber es hätte ja auch ein Flopp werden können! Dann hätten sie ihre letzten Kräfte umsonst verschleudert.
Heute werden wir Christen in ähnlicher Weise herausgefordert. Unser Glaube wird von unserer Umgebung stark hinterfragt oder mit einem Kopfschütteln abgetan. Schließlich kann niemand wissenschaftlich beweisen, dass dieser Jesus Christus wirklich auferstanden ist. Ist da das Risiko nicht ziemlich hoch, dass unser Engagement in der Pfarre, unser Gebet, unser Nachdenken über Gott und die Kirche vergebliche und sinnlose Mühen sind? Vergeuden wir unsere Kräfte und unsere Zeit? Wir haben ebenso wie die Jünger keine hundertprozentige Sicherheit, dass unser Tun und Denken Sinn macht. Oft sind die Zeichen, dass wir am richtigen Weg sind, spärlich gesät. Zwar fehlen uns Garantiescheine, aber auf unsere Herzen können wir hören. Lassen wir uns dabei vom Evangelium ermutigen: Riskieren wir, einfach zu vertrauen. Darauf zu vertrauen, dass der Auferstandene, Jesus Christus, auch für uns einen Riesenfang bereithält.