Keine „Superpille“ kann Gesundheit garantieren, aber Männer können viel für ihre Gesundheit tun.
Seit einigen Jahren wird medial getrommelt, dass Männer Gesundheitsmuffel sind. Hören die Männer die Botschaft?
Dr. Dunzinger: Ja, die Männer werden zunehmend zugänglicher für ihre Gesundheit. Dazu trägt auch der Rollenwechsel in der Gesellschaft bei. Der Mythos des harten Mannes zerbröckelt, das schafft für die Männer Freiraum, sich mit Themen zu beschäftigen, die vorher gleichsam tabu waren.
Wo liegt die besondere Gefährdung für die Gesundheit der Männer?
Dr. Dunzinger: Aufgrund seiner hormonellen Verfassung neigt der Mann zur Selbstüberschätzung: beruflich, sportlich und im persönlichen Lebensbereich. Männer haben auch ein höheres Suchtpotenzial als Frauen. Und beides – Sucht wie Leistungsstreben – sind mögliche Zeichen versteckter Depressionen. Depressionen zeigen sich oft sehr subtil.
Welche Symptome sollen Männer als Blinken der inneren Gesundheits-Alarmlampe unbedingt ernst nehmen?
Dr. Dunzinger: Solche Signale sind dauernde Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder Wutausbrüche, die zeigen, dass man nicht mehr belastbar ist. Auch psychosomatische Symptome wie Schwitzen oder Druck auf der Brust gehören in diesen Bereich und natürlich die nicht mehr funktionierende Sexualität.
Was ist bei solchen Symptomen zu tun?
Dr. Dunzinger: Zumeist sind Männer überfordert, alleine aus dieser Situation zu kommen. Oder sie suchen die falschen Auswege: Wenn sie sexuelle Probleme mit ihrer Frau haben, suchen sie sich eine Freundin weil sie glauben, mit einer „Neuen“ löst sich ihr Problem . . . was natürlich ein Irrtum ist.
An wen können sich Männer wenden?
Dr. Dunzinger: Als sehr wirksam in der Praxis erweist sich ein Lebensstil-Gesundheitscheck. Männer sprechen auf Fragebögen und Listen sehr gut an. Wenn Ärzte ihnen dann den Spiegel vorhalten, werden sie wirklich aufmerksam und bereit sich zu ändern. Der Ansprechpartner ist hier der Männerarzt.
Wer ist ein Männerarzt?
Dr. Dunzinger: In der Praxis ist die erste Adresse der Urologe, die Gesamtproblematik Männergesundheit überfordert ihn aber. Er wird dann an Fachleute wie zum Beispiel an Internisten oder Psychotherapeuten verweisen.
3. Österreichische Männertagung
Zur Sache
Dr. Michael Dunzinger wird bei der Männer-tagung (1. bis 4. Mai) im Bildungshaus Schloss Puchberg referieren.
In Vorträgen und Work-Shops kommt eine Vielzahl von Themen rund um das Mannsein zur Sprache: Karriere und Familie, Spiritualität, Beziehungsgestaltung und die neue gesellschaftliche Rolle des Mannes.http://www.maennertagung2002.at oder: Kath. Männerbewegung OÖ, Tel. 07 32/76 10-34 61