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Wenn Mann müde ist

Dr. Michael Dunzinger über Hormone, Sexualität und Gesundheitschecks
Ausgabe: 2002/16, Duzinger, Männer, Mann, müde, Hormone, Sexualität, Gesundheit, Arzt, Untersuchung, Kur
16.04.2002
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Keine „Superpille“ kann Gesundheit garantieren, aber Männer können viel für ihre Gesundheit tun.

Seit einigen Jahren wird medial getrommelt, dass Männer Gesundheitsmuffel sind. Hören die Männer die Botschaft?

Dunzinger:
Ja, die Männer werden zunehmend zugänglicher für ihre Gesundheit. Dazu trägt auch der Rollenwechsel in der Gesellschaft bei. Der Mythos des harten Mannes zerbröckelt, das schafft für die Männer Freiraum, sich mit Themen zu beschäftigen, die vorher gleichsam tabu waren.

Wo liegt die besondere Gefährdung für die Gesundheit der Männer?

Dr. Dunzinger:
Aufgrund seiner hormonellen Verfassung neigt der Mann zur Selbstüberschätzung: beruflich, sportlich und im persönlichen Lebensbereich. Männer haben auch ein höheres Suchtpotenzial als Frauen. Und beides – Sucht wie Leistungsstreben – sind mögliche Zeichen versteckter Depressionen.

Depressionen „verbergen“ sich offensichtlich hinter körperlichen Beschwerden, aber auch gesellschaftlich werden sie noch immer versteckt.

Dr. Dunzinger:
Depression war lange Zeit ein Frauenthema, das hat sich nun geändert. Bei Männern zeigt sich die Depression aber oft sehr subtil und wird nicht immer erkannt. So kann bei Männern ein Wutausbruch oder aggressives Verhalten Ausdruck einer Depression sein. Es fällt vielen Männern schwer, ihre Gefühle zu zeigen.

Welche Symptome sollen Männer als Blinken der inneren Gesundheits-Alarmlampe unbedingt ernst nehmen?

Dr. Dunzinger:
Solche Signale sind dauernde Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder Wutausbrüche, die zeigen, dass man nicht mehr belastbar ist. Auch psychosomatische Symptome wie Schwitzen oder Druck auf der Brust gehören in diesen Bereich und natürlich die nicht mehr funktionierende Sexualität.Was ist bei solchen Symptomen zu tun?

Dr. Dunzinger:
Zumeist sind Männer überfordert, alleine aus dieser Situation zu kommen. Oder sie suchen die falschen Auswege: Wenn sie sexuelle Probleme mit ihrer Frau haben, suchen sie sich eine Freundin weil sie glauben, mit einer „Neuen“ löst sich ihr Problem. Was natürlich ein Irrtum ist.

Was hilft dann bei sexuellen Schwierigkeiten?

Dr. Dunzinger:
Als Urologe kläre ich natürlich bei den Patienten ab, ob es organische Gründe gibt. Aber die Erfahrung zeigt: Hinter den allermeisten sexuellen Prob-lemen steckt fehlende Kommunikation. Tabletten wie Viagra sind keine Dauerlösung für Schwierigkeiten in der Sexualität. Die Partner sprechen nicht über Sexualität und dabei ist es enorm wichtig, über sexuelle Wünsche und Vorstellungen zu reden.

Ich möchte unbedingt festhalten, dass sexuelle Funktionsstörungen wie Erektionsschwä-che keine Schande sind. Untersuchungen zeigen: Rund 40 Prozent aller Männer – von jung bis alt – sind davon im Lauf ihres Lebens einmal betroffen.

Zurück zu den gesundheitlichen Warnsignalen. Was sollen Männer tun?

Dr. Dunzinger:
Als sehr wirksam in der Praxis erweist sich ein Lebensstil-Gesundheitscheck. Männer sprechen auf Fragebögen und Listen sehr gut an. Wenn Ärzte ihnen dann den Spiegel vorhalten, werden sie wirklich aufmerksam und bereit, sich zu ändern. Ansprechpartner ist der Männerarzt.

Wer ist ein Männerarzt?

Dr. Dunzinger:
In der Praxis ist die erste Adresse der Urologe, die Gesamtproblematik Männergesundheit überfordert ihn aber. Er wird dann zumeist an Fachleute – wie zum Beispiel an Internisten oder Psychotherapeuten – verweisen.

Zur Zauberformel der letzten Jahre: Durch Hormon-einnahme bleiben Männer ewig jung, gesund und potent. Was ist davon zu halten?

Dr. Dunzinger:
Anders als bei Frauen nimmt bei Männern die Hormonproduktion im Alter nur ganz wenig ab. Patienten, die Hormongaben brauchen, sind selten. Außerdem haben wir für Männer nur eine kleine Zahl von Substanzen zur Verfügung und die Hormongaben sind mit Risken verbunden.

Die Bücherflut über Hormone hat aber andererseits einen großen Nutzen. Sie motiviert die Männer, zum Arzt zu gehen. Zu mir kommen häufig Patienten, die sagen: Herr Doktor ich bin immer so erschöpft und in diesem oder jenem Buch habe ich gelesen, da könnten Hormone helfen. Ich verabreiche dann zwar keine Hormone, der Besuch in der Ordination eröffnet den Männern die Möglichkeit, über ihre wirklichen Probleme ins Gespräch zu kommen und nach Abhilfe zu suchen.

b>Interview: Josef Wallner


3. Österreichische Männertagung


Dr. Michael Dunzinger wird bei der Männertagung (1. bis 4. Mai) im Bildungshaus Schloss Puchberg referieren.
In Vorträgen und Work-Shops kommt eine Vielzahl von Themen rund um das Mannsein zur Sprache: Karriere und Familie, Spiritualität, Beziehungsgestaltung und die neue gesellschaftliche Rolle des Mannes.

Informationen:
www.maennertagung2002.at
oder: Kath. Männerbewegung OÖ, Tel. 0732/7610-3461

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